Regensburg ( cn ). Pünktlich um 6.22 Uhr ertönte das Signal zur Abfahrt. Lok und acht Waggons verließen das Gleis 1 des Regensburger Hauptbahnhofs. Zuvor bekamen die Reisenden von Regensburgs Bürgermeister Joachim Wolbergs und von Landtagsabgeordneter Sylvia Stierstorfer als Vertreterin des Landrats die besten Wünsche mit auf den Weg. 300 Teilnehmer, darunter 46 Rollstuhlfahrer, fuhren mit der Caritas im 42. Sonnenzug in die Fuggerstadt Augsburg. Die " Deigner Musi " spielte zum Abschied wie schon im letzten Jahr ein Ständchen am Bahnsteig.
Nach dem Morgengebet im Zug begrüßte Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Piendl traditionell jeden Gast persönlich mit Handschlag. "Einige Gäste kenne ich seit vielen Jahren", sagte er. Mit den Teilnehmern komme man immer schnell ins Gespräch. "Man glaubt gar nicht, dass wir uns nur einmal im Jahr, eben beim Sonnenzug, treffen", so Piendl .
Rita Ziegler (69) kennt den Sonnenzug in und auswendig. Die Regensburgerin war von Anfang an mit dabei, als ehrenamtliche Helferin. Seit 15 Jahren ist sie aber auf einen Rollstuhl angewiesen. Seither fährt sie als Gast mit und ist froh, dass sie jetzt selber soviel Hilfe erfährt. Auf die Frage, was ihr beim Sonnenzug besonders gefalle, sagt sie nur ganz kurz: "Alles!"
Eucharistie im Augsburger Dom
Pünktlich um 10.30 Uhr, nach einem kleinen Fußweg im Schatten der Augsburger Bäume, waren alle Ausflügler im Augsburger Dom. "Gut, dass es hier so schön kühl ist", hörte man einige flüstern. Die Hitze draußen konnte den Teilnehmern zumindest für die nächste Zeit nichts anhaben. Der Augsburger Dompfarrer Prälat Konrad Hölzl begrüßte die Gäste aus Regensburg im Dom. Zusammen feierten alle eine festliche Messe. Der Regensburger Weihbischof Reinhard Pappenberger war dafür eigens nach Augsburg gekommen. Zusammen mit Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Piendl und Direktor Christian Braun (Regensburger Kinderzentrum St. Leonhard) zelebrierte er die Heilige Messe. "Es geht heute ganz besonders darum, Sonne ins Leben zu bekommen, etwas, wovon die, die dabei waren, lange zehren können", sagte Weihbischof Pappenberger in seiner Predigt. Es sei von Anfang an Kennzeichen der Christen gewesen, sich gegenseitig Gutes zu tun. "Wir sind von Jesus Christus aufgerufen, uns in Freude zu begegnen und miteinander unterwegs zu sein", so der Weihbischof. Er wünsche sich, dass die Haltung dieses Tages jedem Einzelnen zur inneren Haltung würde. Denn genau das sei die Haltung der Freunde Christi. Der Weihbischof dankte allen, mit deren Hilfe der Caritas-Sonnenzug fahren kann.
Vor der Stadtführung eine Stärkung
Nach der Messfeier im hohen Dom warteten bereits die gedeckten Tische im Augsburger Kolpinghaus. Salat, Suppe, Schweinebraten und verschiedene Kuchen, dazu frische Getränke waren genau die richtige Stärkung. Am Nachmittag standen seniorengerechte Stadtführungen auf dem Programm. Viele kühle und schattige Plätze machten die informativen Führungen angenehm.
Medizin für Leib und Seele
Angesichts der tropischen Temperaturen genau an diesem Tag war den Veranstaltern anfangs schon etwas mulmig. Allerdings waren alle Reisenden wieder bestens versorgt.
112 Freiwillige waren mit an Bord, darunter drei Ärzte und viele junge Malteser. Sie sorgten für die Betreuung und falls nötig die medizinische Versorgung. Philomena Baumann, mit 83 Jahren die älteste Malteserin, war bisher bei allen Sonnenzügen mit dabei. Mit dabei immer auch das braune Ledertäschchen mit Pflaster, Schokolade und Kreislauftropfen.
Richtig schwitzen mussten an diesem Tag die Logistiker des technischen Dienstes der Caritas. Der Tag begann für sie bereits um 3.30 Uhr morgens. Der Zug musste schließlich mit allem Notwendigen verladen werden: Wasser, Apfelschorle und Cola in über 100 Kisten, Kaffee und Tee, Tausend Wiener Würstchen und Semmeln, 500 Portionen Aufschnitt, hunderte von Essiggurken, 500 Tafeln Schokolade, und mehr als 50 Rollstühle.
Ein Tag der Begegnung
Seit 1971 gibt es den Sonnenzug, damals noch "Fahrt in den Frühling" genannt. Von Anbeginn an stand die Idee der Begegnung im Mittelpunkt: Begegnung von Jungen und Alten, Behinderten und Nichtbehinderten, Gesunden und Kranken. Chef-Organisatorin Brigitte Weißmann von der Caritas zeigte sich am Ende glücklich: "Wenn wir am Ende nur auf eine gute Organisation oder Verpflegung stolz sein könnten, wäre die Idee am Ende", sagte sie. Im Mittelpunkt dieses Tages stehen das Gemeinschaftserlebnis und die Möglichkeit, neue Kontakte und Freundschaften zu schließen.
Gute Laune und Musik
G ute Laune verbreitete die Durchsage jedes deutschen Tores beim WM-Viertelfinale gegen Argentinien. Das inzwischen zum Inventar gehörende "Sonnenzug-Quintett" machte Stimmung im Kolpinghaus und im Zug. Die fünf Musiker gingen von Waggon zu Waggon und erfüllten die Musikwünsche der Gäste. Gegen 20.00 Uhr traf der Sonderzug wieder in Regensburg ein. Einige Gäste hatten noch einen längeren Transfer nach Hause vor sich.
Spende
Organisiert wird der Sonnenzug alljährlich vom Diözesan-Caritasverband Regensburg.
Zur Finanzierung der großen Aktion bittet die Caritas immer um Spenden:
Konto 116 116 4 bei der LIGA Bank Regensburg (BLZ 750 903 00), Stichwort "Sonnenzug".
958 Wörter, 6494 Zeichen, We/08.07.10