URL: www.caritas-regensburg.de/aktuelles/stellungnahmen/daumen-hoch-fuer-die-pflege
Stand: 16.04.2014

Stellungnahme

Daumen hoch für die Pflege?

Robert SeitzDr. Robert Seitz, Abteilungsleiter Soziale Einrichtungen Caritas Regensburg

Bis zu 380 Euro mehr bekommen examinierte Pflegekräfte im Monat. Die Gewerkschaft ver.di feiert den Abschluss als politischen Erfolg. Ein Erfolg auch für die Altenpflege? Leider spielt der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) dort keine maßgebliche Rolle.

Nur noch fünf Prozent der stationären Einrichtungen und ein Prozent der ambulanten Dienste sind in öffentlicher Trägerschaft. Früher war der TVöD die Leitwährung, an der sich die anderen Träger orientierten. Doch die Politik setzte auf den Wettbewerb in der Altenpflege und nahm eine Abwärtsspirale bei den Löhnen in Kauf. Nur noch wenige Träger wie die Caritas orientieren sich noch heute am TVöD. Sie zahlen in Bayern ihre Fachkräfte im Schnitt zehn Prozent besser als andere.

Durchschnittliches Bruttogehalt von 3400 Euro 

Im Jahr 2019 bedeutet dies ein durchschnittliches Bruttogehalt von über 3400 Euro, wobei Zulagen zum Beispiel für Schichtdienst und Zahlungen wie das Weihnachtsgeld berücksichtigt und auf den Monat umgerechnet sind. Schon bei angehenden Pflegekräften macht sich der Unterschied bemerkbar. Anlehnung an den Tarif bedeutet, sie verdienen von 1100 Euro im ersten bis zu 1300 Euro im dritten Jahr und damit als Azubis mehr als z. B. künftige Mechatroniker.

Auch wenn sich nur noch wenige Träger am TVöD orientieren, wäre es wichtig, dass diese die Pflege insgesamt von der Einigung im öffentlichen Dienst profitiert. Der Pflegeberuf muss dauerhaft und überall attraktiver werden. 

Pflege muss bezahlbar bleiben

Und hier ist auch die Politik gefordert. Es müssen Rahmenbedingungen gelten, die Pflege auch bei weiter steigenden Kosten für die Betroffenen bezahlbar halten. Bei Bezahlung nach TVöD (Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst) kostet ein Heimplatz den Pflegebedürftigen schon jetzt monatlich über 2000 Euro; das ist doppelt so viel wie die durchschnittliche Rente in Deutschland. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist das deutsche Pflegesystem, das zeigt auch eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, unterfinanziert. Damit der Daumen auch für die Pflege hochgehen kann, bedarf es zusätzlicher sozialpolitischer Anstrengungen.