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Stand: 16.04.2014

Stellungnahme

Gesund im Betrieb: Handeln statt Wegschauen

Dr. Stefan GerhardingerDr. Stefan Gerhardinger, Leiter Soziale Dienste und HilfeCaritas Regensburg

Die Zahlen von Krankenkassen und Rentenversicherung belegen eindeutig, welche Dimension diese Entwicklung mittlerweile hat. (Die Zahl der Krankheitstage aufgrund psychischer Problematik liegt im oberen Bereich aller durch Krankheit verursachten Arbeitsunfähigkeitstage.) 2014 mussten mehr als 65 000 Menschen wegen psychischer und psychosomatischer Erkrankungen vorzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden – mehr als wegen orthopädischer, kardiologischer und onkologischer Erkrankungen zusammen. Damit sind die psychisch bedingten Rentenzugänge bayern- und bundesweit Spitzenreiter. Die hauptsächlichen Probleme heißen Depression, Angststörung und Suchterkrankung. Diesem Phänomen proaktiv zu begegnen, erfordert neben einem weiteren Ausbau des Hilfesystems auch immer mehr Initiativen zum betrieblichen Gesundheitsmanagement. Was in einigen Betrieben, Unternehmen und Einrichtungen längst verwirklicht ist, fehlt andernorts noch gänzlich. Neben Datenschutz- und Hygienebeauftragten bedarf es dringend des betrieblichen Gesundheitshelfers. Eine spezialisierte Form davon ist etwa der betriebliche Suchtberater. Diese betrieblichen Gesundheitshelfer und Suchtberater können aus der Belegschaft rekrutiert und entsprechend qualifiziert werden. Im Praxiseinsatz stellen sie das notwendige Verbindungsglied zwischen dem Arbeitgeber, dem betroffenen Mitarbeiter und dem professionellen Hilfesystem her. Dabei fungieren die betrieblichen Gesundheitshelfer und Suchtberater als Ansprechpartner und Motivatoren für betroffene Mitarbeiter, als Berater für die eigenen Führungskräfte, assistieren als Mitgestalter gesundheitsförderlicher Arbeitsbedingungen, wie auch als Lotsen im Versorgungsystem.

Betriebliche Gesundheitshelfer und Suchtberater stellen damit ein wichtiges Element im betrieblichen Gesundheitsmanagement dar. Dem psychisch angeschlagenen oder schon kranken Mitarbeiter, dem riskant Suchtmittel konsumierenden oder auch abhängigen Kollegen frühzeitig eine innerbetriebliche Erstanlaufstelle zu ermöglichen, die kostenfrei und unbürokratisch verfügbar ist, kann die Einleitung notwendiger professioneller Hilfe entscheidend beschleunigen. Betriebliches Gesundheitsmanagement ist damit nicht nur eine wohlmeinende Serviceleistung verantwortlicher Arbeitgeber. Es gibt dafür gesetzliche Grundlagen, wodurch Verpflichtungen entstehen. Es ist auch unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten unverzichtbar, der "Return on Invest" ist vielfach nachgewiesen. Jede anhaltende Minderleistung, jeder Krankheitsausfall und jede Frühberentung mit notwendiger Nachbesetzung kommt dem Unternehmen teuer zu stehen. In Zeiten steigenden Fachkräftemangels kann ein Unternehmen mit funktionierendem Gesundheitsmanagement auch als attraktiver Arbeitgeber punkten.  

Dr. Stefan Gerhardinger
Leiter Soziale Dienste und Hilfen
Caritasverband für die Diözese Regensburg e.V.