Handeln statt wegschauen

Ausbildung zum betrieblichen Suchtberater

Bierflaschenshutterstock/Syda Productions

Wer eine Ausbildung zum betrieblichen Suchtberater* absolviert, ist künftig Ansprechpartner für Kollegen und Kolleginnen, die suchtkrank oder suchtgefährdet sind. Denn oft fallen Suchtprobleme am ehesten am Arbeitsplatz auf. Wie erkenne ich eine Sucht? Wie stelle ich mich ihr? Wo und wie kann ich mir helfen lassen? Welche Schritte muss ich als erste tun? Diese Fragen können betrieb­liche Suchtberater im Gespräch mit ihren ­Kollegen und Kolleginnen beantworten. Zudem sind Sie Ansprechpartner für Mitarbeiter mit betroffenen Angehörigen. Der Suchtberater wird mit einem bestimmten Stundenkontingent von seinen anderen unternehmerischen Aufgaben freigestellt. Er berät vertraulich und bildet das Bindeglied zwischen Betrieb und externer Suchthilfe.

Jeder kann mitmachen

Betrieblicher Suchtberater kann jeder werden. Gut ist es, wenn es jemand ist, der oder die im Betrieb bekannt ist und geschätzt wird, beispielsweise ein Betriebs- oder Personalrat oder ein betrieblicher Sozialberater. Vielleicht waren Sie auch selbst betroffen und möchten nun Ihre ­Erfahrungen weitergeben? Wer bereits selbst eine Sucht überwunden hat, ist oftmals der glaubwürdigste Berater. Genauso eignen sich auch Sicherheitskräfte oder ­interessierte Mitarbeiter. Hauptsache: Die Motivation stimmt.

Teamworkshutterstock/Mooshny

Allmählich zum Profi

Die Suchtexperten der Caritas vermitteln Ihnen in dem Lehrgang ein fundiertes Wissen über das Wesen von Abhängigkeiten und über ­typische Verhaltensweisen von Abhängigen. ­Zu­dem lernen Sie die professionelle Suchthilfe und deren Fach­stellen ­kennen. 
Im Lehrgang erfahren Sie auch mehr über die ­Konzepte der betrieblichen Suchthilfe und des ­betrieblichen Gesund­heitsmanagements und wie Sie diese in Ihrem ­Betrieb ­umsetzen helfen. Nicht zuletzt werden Sie in Kom­munikation und Gesprächsführung geschult. 

Lernen, lehren und erleben

Die Inhalte werden einerseits über Vorträge geschult, anderer­seits in Klein­gruppenarbeit und Reflexion der ­eigenen ­Geschichte und Haltungen zum Thema erarbeitet. Lehrende sind die Sucht­berater (Diplom-Psychologen und Sozialpädagogen) der Caritas, aber auch medizinische und ­juristische Experten, Kommunikationsprofis sowie Betroffene. Hinzu ­kommen ­Hospitationen in ambulanten und stationären Einrichtungen der Suchthilfe und der Sucht-­Selbsthilfe. 

Ablauf und Kosten

Der Kurs ist untergliedert in fünf Abschnitte à zwei bis drei Tage. Der Umfang beträgt insgesamt 210 Stunden. Wir planen mit ­maximal zwölf Teilnehmern. Beginn ist im Oktober 2018.
Die Teilnahmegebühr für die Ausbildung zum betrieblichen Suchtberater beträgt 3050,— Euro. Sie beinhaltet die Kursunterlagen, die Verpflegung an den Seminartagen sowie das Zertifikat bei abgeschlossener Fortbildung.

  • Grundlagen zum Thema Abhängigkeiten
  • Behandlungsmöglichkeiten und das Suchthilfesystem
  • Supervision und Praxisanleitung
  • Hospitation in Facheinrichtungen und Selbsthilfe

Die Ausbildung startet im Oktober 2018. Sie findet in der Katholischen ­Akademie für Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen in Bayern e.V. in ­Regensburg statt. 

Dies ist ein Angebot der Caritas Regensburg in Kooperation mit der Katholischen Akademie in Regensburg.

* Anmerkung: Aufgrund der besseren Lesbarkeit verwenden wir meist nur eine Geschlechtsform. Selbstverständlich sind immer weibliche und männliche Form gleichermaßen gemeint. 


Seminarinhalte /Referentenprofile

Seminarinhalte

  1. Grundlagen zum Thema Abhängigkeit

    Die Teilnehmer bekommen eine Einführung in das Thema Abhängigkeit und ein umfassendes Grundlagenwissen zu den Bereichen Abhängigkeitsdefinitionen und Entwicklung und Folgen, stoffgebundene und nicht-stoffgebundene Süchte, Suchtgedächtnis und Rückfallprozesse.

  2. Behandlungsmöglichkeiten und das Suchthilfesystem

    Das deutsche Suchthilfesystem mit seinen Behandlungsangeboten wird erläutert, so dass die zukünftigen betrieblichen Ansprechpartner passende Hilfsangebote kennen. Dies wird durch eine Exkursion in eine Fachklinik veranschaulicht. Ebenso werden Aspekte der Rolle der Umgebung (Angehörige, Betriebe) sowie die Suchtselbsthilfe veranschaulicht. 

  3. Suchtberatung im Betrieb

    Die arbeitsrechtliche Einordnung des Themas Sucht am Arbeitsplatz, die Rolle des betrieblichen Suchtberaters, sowie Stufenplan, Betriebs- und Dienstvereinbarungen werden mit den Teilnehmern besprochen.Ebenfalls erfahren Sie hilfreiche Methoden zur Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen des Betriebes. Einen Kern der Ausbildung bildet u.a. die Erstellung eines individuellen, betriebsinternen Präventionskonzepts.

  4. Kommunikation und Gesprächsführung

    In diesem Block stehen Grundlagen der Kommunikation im Vordergrund. Grundzüge der Motivierende Gesprächsführung werden vermittelt und der Umgang mit schwierigen Situationen geübt.

  5. Psychische Erkrankung und Gesundheit

    Die Teilnehmer erhalten Informationen zu verschiedenen psychischen Erkrankungen, gesundheitsgefährdende und -fördernde Faktoren. Dazu sollen sie selbst befähigt werden in gesunder Weise mit Stress umzugehen.

Die zwischen den Blöcken stattfindenden Supervisionen und Praxisanleitungen dienen dazu, Praxiseindrücke mit fachlicher Begleitung einzuordnen und das eigene Handeln zu überprüfen. Inhalte sind die praktische Arbeit, sowie die neu entstehenden Rollen- und Beziehungsdynamiken. Hospitationen in unterschiedlichen Bereichen der Suchthilfe sind integriert. So z.B. der Besuch einer Fachklinik, das Kennenlernen einer Entgiftungsstation und gegebenenfalls psychiatrischer Stationen sowie der Besuch einer Selbsthilfegruppe und einer Fachambulanz. Des Weiteren werden den Teilnehmern Möglichkeiten geben, auf freiwilliger Basis die Hospitationen zu erweitern, um so ihre Praxiseindrücke zu vertiefen.

Referenten

Christian Kreuzer 2018

Christian Kreuzer

Dipl.-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut; 
Leiter der Fachambulanz Regensburg

Schwerpunkte in der Weiterbildung
Kursleitung, Grundlagen; Reflexion

 

Marion Santl

Marion Santl

Dipl.-Psychologin; Fachambulanz Schwandorf

Schwerpunkte in der Weiterbildung
Kursleitung, Grundlagen; Konzeptentwicklung betriebliche Suchtprävention; Reflexion

 

Dr. Stefan Gerhardinger

Dr. Stefan Gerhardinger

Dipl.-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut; 
Leiter Abteilung Soziale Dienste

Schwerpunkte in der Weiterbildung
Psychische Gesundheit, Umgang mit Stress

 

Portrait Pernpeintner

Irmgard Pernpeintner

Dipl.-Pädagogin; Fachambulanz Regensburg

Schwerpunkt in der Weiterbildung
Prävention im Betrieb

 

Helmut Würzl klein

Helmut Würzl

Diplom-Sozialpädagoge; Fachambulanz Schwandorf

Schwerpunkte in der Weiterbildung
Grundlagen, Suchtgedächtnis, Rückfall


 

Inge Hebborn klein

Inge Hebborn

Dipl.-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin; 
Leiterin Fachklinik Haselbach

Schwerpunkte in der Weiterbildung
stationäre Rehabilitation und Wiedereingliederung, Hospitation Fachklinik

 

Irmgard Rosenmüller

Juristin Fachstelle Arbeitsrecht; DiCV Regensburg

Schwerpunkt in der Weiterbildung
Arbeitsrecht

 

 

Michaela Lang klein

Michaela Lang

Dipl.-Sozialpädagogin; Fachambulanz Amberg

Schwerpunkt in der Weiterbildung
Illegale Drogen


 

Celine Schulz-Fähnrich klein

Celine Schulz-Fähnrich

Sozialpädagogin

Schwerpunkt in der Weiterbildung
pathologisches Glücksspiel und Abhängigkeit von digitalen Medien

 

 

Diplom-Psychologin

Julia Rupprecht

Dipl.-Psychologin 

Schwerpunkt in der Weiterbildung
Gesprächsführung


 

 

Marcus Weigl

Marcus Weigl

Leiter Verbandskommunikation; DiCV Regensburg

Schwerpunkt in der Weiterbildung
Unternehmenskommunikation, betriebsinterne Öffentlichkeitsarbeit

   

 

Eugene O'Neill

Eugene O'Neill

Vorsitzender Kreuzbund DV Regensburg

Schwerpunkt in der Weiterbildung
System der Suchtselbsthilfe

 

 

Monika Gerhardinger

Monika Gerhardinger

Dipl.-Sozialpädagogin; Fachambulanz Regensburg

Schwerpunkt in der Weiterbildung
Co-Abhängigkeit