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Stand: 23.09.2014

Pflege und Betreuung

Der Pflege aus christlichem Geist verpflichtet

FuehrungsgruppeBischof Rudolf Voderholzer mit Domkapitular Roland Batz (rechts), ARGE-Vorsitzender Willibald Koller (links) und Diözesan-Caritasdirektor Michael Weißmann (2.v.l.).Caritas Regensburg

Der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer hat kürzlich die Mitglieder der Diözesanen Arbeitsgemeinschaft katholischer Heime und Einrichtungen der Altenhilfe in der Diözese Regensburg (ARGE) besucht. In der anderthalbstündigen Begegnung ging es um Gegenwart und Zukunft der professionellen Pflege unter dem Dach der Kirche. Der Bischof dankte allen für ihren so wertvollen Dienst. Er spüre bei seinen Besuchen in den Caritas-Einrichtungen immer sehr deutlich, dass dort noch der christliche Geist wehe.

Diözesan-Caritasdirektor Michael Weißmann hieß den Bischof im Haus der Caritas willkommen. Mit ihm begrüßte er auch Domkapitular Dr. Roland Batz, den Leiter der Hauptabteilung "Diözesane Caritas" im Bischöflichen Ordinariat. Mit Alter werde in unserer Kultur auch Positives assoziiert, Erfahrung und Weisheit beispielsweise, sagte Weißmann. "Trotzdem haben viele Menschen Angst vor dem Altwerden, vor allem davor, dass sie nicht mehr selbst über ihr Leben bestimmen können und womöglich fremden Händen ausgeliefert sind", so der Caritasdirektor. Es sei Aufgabe von Kirche und Caritas, den Menschen in solchen existenziellen Lebensphasen Antworten und Hilfen zu geben. Seit jeher sind Christen um das Wohl der Armen, Schwachen und Alten bemüht. Die Caritas sei heute eine etablierte Akteurin der professionellen Altenhilfe; im ambulanten (Häusliche Pflege) wie im stationären Bereich (Alten- und Pflegeheime). "Als Caritas wollen wir in der Altenhilfe immer ein Stück besser und verlässlicher sein als unsere Mitbewerber", sagte Weißmann. Daran gelte es jeden Tag zu arbeiten. 

Willibald Koller, als Spitalmeister selber auch Träger eines Pflegeheims, erläuterte als Vorsitzender der ARGE ihre Aufgaben. Es gehe darum, auf Diözesan-, Landes- und Bundesebene die Interessen der Altenhilfeträger zu vertreten. Dabei gelte es die uns anvertrauten Menschen und die Mitarbeitenden gleichzeitig in den Blick zu nehmen. Die Arbeitsgemeinschaft sei ein Ort des fachlichen Austausches und der Weiterentwicklung. "Wir möchten die professionelle Pflege zukunftsfähig machen", so Koller. Mitglieder der ARGE sind Kreis-Caritasverbände, Kirchenstiftungen, die Katholische Jugendfürsorge, Ordensgemeinschaften und der Diözesan-Caritasverband, der auch die Geschäfte führt. Die Mitglieder repräsentieren die insgesamt 110 Einrichtungen und Dienste der Altenhilfe unter dem Dach der katholischen Kirche im Bistum Regensburg. 

"Der Geist, der mir beim Besuch unserer Alten- und Pflegeheime begegnet, macht mich froh. Er ermutigt mich, dass Menschen in unsere Heimen vielleicht auch ihre Beziehung zu Gott und der Kirche wiederentdecken oder neu finden", sagte der Bischof. Alten- und Krankenpflege sei ja quasi von der Kirche erfunden worden. Der Dienst sei aus dem christlichen Geist erwachsen. "Diese große Tradition verpflichtet uns aber auch", so Bischof Rudolf. Auf der einen Seite komme auf unsere Dienste in Zukunft wesentlich mehr Arbeit zu, der Pflegeberuf sei also krisensicher. Auf der anderen Seite stehe aber die Herausforderung, künftig die Mitarbeitenden zu finden, die den Geist der Kirche mittragen. Dafür müsse es in den Einrichtungen und Diensten neben der fachlichen Aus- und Fortbildung verstärkt auch um die geistig-geistliche Bildung der Mitarbeitenden gehen. Ein guter und niedrigschwelliger Weg sei, sich beispielsweise mit unseren alten kirchlichen Traditionen und Bräuchen zu beschäftigen. "Darüber kommt man mit Bewohnern und Mitarbeitenden oft schnell über existenzielle Dinge und den Glauben ins Gespräch", sagte der Bischof.

Zur Realität in Altenheimen und von Pflegediensten gehören auch die Themen Sterben und Tod. Die Personen kommen immer später und immer öfter mit hohem Versorgungsbedarf ins Heim. Das Durchschnittsalter für den Eintritt ins Altenheim liegt derzeit in den Caritas-Häusern bei 84 Jahren. 40 Prozent der Bewohner sterben jedes Jahr. Anita Kerscher, Hospiz- und Palliativbeauftragte der Caritas Regensburg, erläuterte: "Das erfordert in den Einrichtungen eine hohe fachliche Kompetenz, vor allem in der Symptomkontrolle und der behandlungspflegerischen Versorgung wie bei der Schmerztherapie und der Wundversorgung." Es gebe im Pflegeheim keine speziellen Bereiche oder Betten. Sterben gehöre in einem Alten- und Pflegeheim einfach zum Leben, so Kerscher. Die Caritas habe darauf rechtzeitig reagiert und in jeder Einrichtung Palliativfachkräfte ausgebildet. "Es gibt viele Möglichkeiten, den Menschen bis zuletzt Lebensqualität zu geben", so Kerscher weiter. Ein Blick in die Gesellschaft und man stelle fest: Momentan findet Sterben und Abschiednehmen meist im Fernsehen oder auf Youtube statt. Gestorben wird im Krankenhaus, oft allein. Kinder bleiben der Beerdigung von Oma oder Opa lieber fern, um nicht überfordert zu werden. Gewaltfilme und Killerspiele dagegen seien Kindern scheinbar schon zumutbar, warnte Kerscher. Sie warb eindringlich dafür, die Themen "Sterben und Tod" aus der Tabuzone herausholen.