Das Unrecht beim Namen nennen
Monsignore Dr. Roland Batz, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie erfuhren, dass Sie zum Diözesan-Caritasdirektor ernannt werden sollen?
Batz: Als mich Bischof Gerhard Ludwig Müller damit konfrontierte, war ich zunächst unheimlich überrascht. Ich musste erst einmal meine Gedanken sortieren. Schnell wurde mir aber klar, welchen hohen Vertrauensbeweis das bedeutet, und ich habe gerne zugesagt.
In Ihrem neuen Amt stehen Sie an der Spitze von mehr als 15 000 Mitarbeiter in über 900 sozialen Einrichtungen. Wie groß ist diese Herausforderung?
Batz: Meine Aufgabe hat sich grundlegend gewandelt. Als Sozialpfarrer war ich in den vergangenen 16 Jahren in der Arbeitnehmerseelsorge zuständig. Als Diözesan-Caritasdirektor erstreckt sich das Aufgabenfeld von der Schwangerschaftsberatung bis zur Sterbebegleitung. Das fordert ganz anders.
Ihr Vorgänger, Monsignore Bernhard Piendl, gilt als Kämpfer gegen Dumping-Löhne in der Pflege. Halten Sie an der Tarifbindung in den Caritas-Häusern der Diözese fest?
Batz: Als Sozialpfarrer habe ich viele Arbeitnehmer in der Seelsorge begleitet und bin stets für eine faire Bezahlung eingetreten. An die Haltung meines Vorgängers knüpfe ich deshalb an. Wer gute Qualität anbieten will, braucht kompetente Mitarbeiter und muss diesen entsprechende Löhne zahlen.
Zu Ihrer Ernennung sagten Sie, die Kirche müsse ihre Stimme gegen Verletzungen der Menschenwürde "prophetisch-kritisch erheben". Was bedeutet das für Sie selbst in Ihrem neuen Amt?
Batz: In unserer Gesellschaft gibt es die Tendenz, dass Werte wie Solidarität und Gemeinwohl einem gewissen Kapitalstreben zum Opfer fallen. Menschen in Entwicklungsländern müssen hungern, weil andere über Getreidepreise spekulieren. Da kann die Kirche nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, sondern muss das Unrecht und auch die Verantwortlichen beim Namen nennen.
Wo gibt es in der Diözese Regensburg soziale Probleme und Ungerechtigkeiten?
Batz: Soziale Brennpunkte tauchen in Ostbayern wohl nicht so konzentriert auf wie in Großstädten, Probleme gibt es aber auch hier. Ich denke da an die Situation von Migranten und Flüchtlingen, an überforderte Alleinerziehende, verschuldete Familien oder an Senioren, denen die Rente nicht zum Leben reicht.
Welche Schwerpunkte wollen Sie in Ihrer Arbeit setzen?
Batz: Bei der großen Spannbreite der Caritas-Arbeit denke ich, dass wir uns ganz besonders um die Kinder und Jugendlichen kümmern müssen. Es ist wichtig, junge Menschen bei den ersten Schritten ins Leben zu begleiten, ihnen bei der Suche nach dem Sinn des Lebens zu helfen.
Sie sind auf dem zweiten Bildungsweg zum Priesterberuf gekommen, absolvierten nach der Schule erst einmal eine Lehre als Industriemechaniker. Inwiefern hat Sie dieser Lebensweg geprägt?
Batz: Man sollte seine Herkunft nie vergessen. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie. Durch meine Biografie ist es mir in die Wiege gelegt, den Blick für die Schwachen und Bedrängten nicht zu verlieren.
2001 promovierten Sie zum Thema "Frauen in der Arbeitswelt". Was können gerade Ihre Mitarbeiterinnen von Ihnen als Chef erwarten?
Batz: Die Doktorarbeit hat mir dabei geholfen, vor allem die Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch klarer zu sehen. Mitarbeiterinnen finden bei mir eine offene Tür vor, um Lösungen für eine bessere Vereinbarkeit zu suchen. Das gilt natürlich auch für männliche Mitarbeiter.
Das Interview führte Hanna Duft, Korrespondentin für die Donaupost und Der Neue Tag