Die Arbeitsgruppe „Psychische Gesundheit im Alter“ setzt sich aus zahlreichen Fach- und Beratungsstellen in und um Regensburg zusammen, darunter die Malteser, die Diakonie, der gerontopsychiatrische Dienst, das Seniorenamt der Stadt Regensburg sowie die Caritas Regensburg.Foto: Och
Regensburg. Laut dem aktuellen Bericht des Deutschen Zentrums für Altersfragen fühlt sich etwa jeder elfte Mensch in der zweiten Lebenshälfte in Deutschland einsam. Studien führen dies unter anderem auf den Verlust von Partnern, ein kleiner werdendes soziales Umfeld und seltener werdende Alltagskontakte zurück. "Vereinsamung erhöht langfristig das Risiko für seelische Belastungen oder Abhängigkeitserkrankungen", sagt Monika Gerhardinger, Sozialpädagogin der Caritas Fachambulanz für Suchtprobleme.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, lud die Arbeitsgruppe "Psychische Gesundheit im Alter" (AG PGIA) gemeinsam mit dem Landratsamt und der Caritas Regensburg zu einem offenen Austausch ins Mehrgenerationenhaus in der Ostengasse ein. Im Dialog zwischen Fachberatern und Gästen zeigte sich schnell: Jeder Fall ist individuell, und oft gehen Einsamkeit im Alter und ein steigender Pflegebedarf Hand in Hand.
Im Mittelpunkt standen Fragen wie: Wie lässt sich reagieren, wenn angebotene Hilfe konsequent abgelehnt wird? Und wie bewältigt man Situationen, in denen zu viel Unterstützung erwartet wird und pflegende Angehörige an ihre Belastungsgrenzen geraten?
Viele Betroffene wie auch Angehörige fühlten sich hilflos und überfordert, erläuterte Gerhardinger. Frustration und Enttäuschung kämen hinzu; Scham- und Schuldgefühle führten zudem häufig dazu, dass notwendige Unterstützung zu spät oder gar nicht in Anspruch genommen werde. Dadurch gerieten ältere Menschen leicht in einen Teufelskreislauf, der ihre Isolation weiter verstärke.
Die am häufigsten geäußerte Sorge der Teilnehmenden: Viele Menschen haben Angst, anderen zur Last zu fallen. Die Arbeitsgruppe machte deutlich, dass ein solches "Zur-Last-Fallen" im bestehenden Unterstützungssystem nicht existiert. Vielmehr haben Betroffene einen klaren Anspruch auf Leistungen - und für diesen müsse sich niemand schämen. Anschließend nutzten die Fachberater die Gelegenheit, auf die vielfältigen Einrichtungen und Dienste in und um Regensburg hinzuweisen, die individuell unterstützen können.
Während der Veranstaltung gab es auch inspirierende Beispiele für aktives Altern und gelebte soziale Teilhabe. Die 92-jährige Teilnehmerin Wanda Wranik setzt dabei auf eine feste Alltagsstruktur - vom genüsslichen Frühstück bis zu ihrem täglichen Ziel von 10.000 Schritten. "Mittlerweile habe ich auf 5.000 Schritte reduziert, weil ich jetzt zweimal pro Woche im Verein tanzen gehe", erzählt die rüstige Seniorin stolz. Von ihren Enkeln erwartet Wranik, dass sie sich vorher anmelden, wenn sie Zeit mit ihrer Oma verbringen möchten: "Ich bin fast täglich mit Ursula unterwegs. Wir schauen uns Ausstellungen an oder gehen gemeinsam Kaffee trinken. Etwas zu tun haben wir immer." Ihre 83-jährige Freundin ergänzt im Weitergehen trocken: "Zuhause sterben die Leut’."
Zusatzinfo
Die Caritas Regensburg bietet verschiedene Kontakt- und Beratungsmöglichkeiten für Betroffene sowie Mitarbeitende im Altenhilfe- und Gesundheitsbereich an:
Beratung zu Lebensqualität im Alter: Diplom-Sozialpädagogin Monika Gerhardinger steht in der Caritas Fachambulanz für Suchtprobleme für Beratungsgespräche zur Verfügung. Tel.: Tel.: 0941 / 6308270.
Besuchsdienst für psychisch kranke und alte Menschen. Tel.: 0941 / 75012870 oder per E-Mail: k.kett@caritas-regensburg.de