Das Team der Caritas Fachambulanz für Suchthilfe bei der Abschlussveranstaltung zur Aktionswoche Alkohol auf dem Neupfarrplatz
(Foto: H.C. Wagner)
Regensburg. "Keiner muss den Weg allein gehen", stellte Marion Santl, Leitung des Caritasreferats Suchthilfe, bei der Abschlussveranstaltung zur "Aktionswoche Alkohol" auf dem Regensburger Neupfarrplatz das engmaschige Hilfesystem für Betroffene und Angehörige vor. Auf 22 beinahe lebensgroßen Pappaufstellern wurden Ursachen, Risiken und vor allem auch die Folgen von Alkoholkonsum, zudem aber auch das Hilfesystem plakativ dargestellt. Der Caritas Suchthilfeverbund Ostbayern ist an zwölf Orten in der Diözese Regensburg präsent. Darüber hinaus gibt es rund um die Uhr ein Hilfsangebot im Netz unter www.suchthilfe-ostbayern.de - auf Wunsch auch anonym.
Auf 22 beinahe lebensgroßen Pappaufstellern wurden Ursachen, Risiken und vor allem auch die Folgen von Alkoholkonsum, zudem aber auch das Hilfesystem plakativ dargestellt
Foto: H.C. Wagner
"Alkoholabhängigkeit ist kein Zeichen von Willensschwäche, sondern eine Krankheit, die seit 1968 anerkannt ist", sagt die Sucht-Expertin. "Wir waren mit unseren Informationsständen an insgesamt elf Standorten in dieser Woche. Angesichts des hohen Zuspruchs ist es uns gelungen, für das Thema Alkohol zu sensibilisieren." Reden und Nachdenken, mit den einzelnen Betroffenen, aber auch in der Gesellschaft sei eine wichtige Basis für das Hilfesystem.
Kennzahlen
Der durchschnittliche Jahres-Alkoholkonsum in Deutschland liegt bei 10,5 Litern Reinalkohol pro Person ab einem Alter von 15 Jahren. Das entspricht im Durchschnitt etwa 88 Litern Bier, 19 Litern Wein oder fünf Litern Spirituosen. Deutschland zählt damit weiterhin zu den Ländern mit hohem Alkoholkonsum. 8,6 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren konsumieren Alkohol in gesundheitlich riskanten Mengen. Rund 3,9 Millionen Erwachsene hatten 2024 eine alkoholbezogene Störung, in 1,7 Millionen Fällen spricht man Alkoholmissbrauch, 2,2 Millionen Menschen befanden sich in einer Alkoholabhängigkeit.
Folgen
Jährlich sterben in Deutschland etwa 44.000 Menschen an den Folgen des Alkoholkonsums. Im Jahr 2024 wurden rund 283.500 Menschen wegen ausschließlich alkoholbedingter Erkrankungen stationär behandelt. Alkoholbedingte Erkrankungen verursachen nach Schätzungen volkswirtschaftliche Kosten von etwa 57 Milliarden Euro pro Jahr. "Alkohol ist ein Zellgift", sagt Marion Santl, "insgesamt erhöht Alkoholkonsum das Risiko für über 200 Erkrankungen. Bereits geringste Mengen an konsumiertem Alkohol wirken auf das Zentrale Nervensystem." Chronischer und regelmäßig hoher Alkoholkonsum kann zu strukturellen und funktionellen Veränderungen des Gehirns führen.
Marion Santl, Leitung des Caritasreferats Suchthilfe, ist ausgewiesene Expertin im Hilfesystem für Fragen um Konsum und Sucht (Foto: H.C. Wagner)
Gewöhnung wird zur Sucht
"Die neueste Forschung zeigt: Alkohol schadet ab dem ersten Glas", warnt die erfahrene Expertin Marion Santl. " Am besten für die Gesundheit ist es, keinen Alkohol zu trinken." Oft wird das Glas Alkohol am Feierabend scheinbar unverzichtbar. Je öfter Alkohol scheinbar für Wohlbefinden sorge, desto weniger gelänge es, schwierige Situationen ohne Alkohol zu bewältigen, so Santl mit Erkenntnissen aus der alltäglichen Arbeit.
Suchthilfeverbund-Ostbayern
Im Jahr 2025 wurden die zwölf ostbayerischen Caritas Suchtambulanzen zwischen Tirschenreuth im Norden und Landshut und Dingolfing im Süden von rund 6.000 Ratsuchenden kontaktiert, davon 1.000 in Regensburg. In über 60 Prozent der Fälle war der Grund der Kontaktaufnahme eine Frage zum Thema Alkoholkonsum. "Anfragen werden auf Wunsch anonym behandelt", versichert Marion Santl. "Die Menschen können sich auch übers Internet unter www.suchthilfe-ostbayern.de oder telefonisch über die 0941/6308270 an uns wenden."