Pädagogin Sina Klotzbücher unterstützt junge Menschen bei ihrer Problembewältigung.Lea Grosser
Regensburg. Zitternde Hände, Schweißausbrüche, Schlafprobleme - Stress hat ein Päckchen voller Nebenwirkungen im Schlepptau. Solche Symptome richtig einzuordnen fällt schwer. Die psychosoziale Versorgung Geflüchteter der Caritas Regensburg hat deshalb ein Angebot, das sich speziell an junge Menschen mit Migrations- oder Fluchterfahrung richtet. Oftmals leiden sie unter mehreren Stressfaktoren und sind zur Bewältigung auf die Beratung angewiesen. Das bisherige Angebot wird nun sogar erweitert, wodurch noch mehr Menschen Hilfe erhalten werden. Daran beteiligt ist Pädagogin Sina Klotzbücher.
Aufklärung und Bewältigung
In einem geschützten Rahmen können junge Menschen zwischen 16 und 27 mit der Pädagogin über ihre Probleme sprechen. Das Angebot ist darauf ausgerichtet, dass sie zu einem langfristigen Beratungsprozess kommen können.
Im Vordergrund steht zunächst, Aufklärungsarbeit zu leisten, sagt Klotzbücher. Sie spricht mit jungen Menschen darüber, was beispielsweise Stresssymptome, Depression, Trauma oder PTBS sind. Gleichzeitig räumt sie mit Vorurteilen rund um psychische Erkrankungen auf. "Es ist häufig so, dass die Jugendlichen Panikattacken haben und gar nicht wissen, was sie haben. Sie denken, dass sie krank oder verrückt sind. Und wir nehmen erst einmal diese Angst", sagt Klotzbücher.
Der zweite Schritt ist der Umgang mit besagten Symptomen. Als Ansprechpartnerin steht zudem eine Psychologin mit traumatherapeutischem Angebot zur Verfügung, sagt Klotzbücher. Das Ziel des Beratungsangebots sei letztlich immer die Stabilisierung der Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Viele Stressfaktoren auf einmal
Das Angebot richtet sich gezielt an junge Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung. Der Bedarf ist bei ihnen aufgrund einschneidender Erlebnisse groß, sagt Klotzbücher. "Geflüchtete Menschen haben drei große Stressoren. Zum einen haben sie einen Fluchtgrund im Herkunftsland", erklärt die Pädagogin. "Dann ist Flucht allgemein extrem stressbehaftet - die wenigsten reisen mit dem Visum ein. Und schließlich fordert das Zurechtfinden in der neuen Umgebung enorm. Dazu gehören leider auch Rassismuserfahrungen."
Viele suchen die Beratungsstelle vordergründig wegen Schlafproblemen auf. Erst im Lauf der Gespräche kommen weitere Probleme zu Tage: Konzentrationsschwierigkeiten, traumatische Erfahrungen, Identitäsfragen, der Zwiespalt zwischen alter und neuer Heimat, sagt Klotzbücher. Die Pädagogin hat mehrere Traumafortbildungen absolviert und ist deshalb gut gerüstet, um entsprechend zu unterstützen.
Das Beratungsangebot der Psychosozialen Versorgung speziell für junge Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung wird durch Aktion Mensch und den Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds, kurz AMIF, der Europäischen Union gefördert.
Niederschwellige Hilfsangebote
Niederschwellige Hilfe erhalten Jugendliche und junge Erwachsene auch bei Gruppenangeboten der psychosozialen Versorgung Geflüchteter der Caritas Regensburg. Zudem finden Einzelberatungen zum Thema Schlaf und Schlafhygiene statt. Dieses Angebot findet wöchentlich im Wechsel jeweils an der Staatlichen Fachoberschule und Berufsschule Regensburg und der Städtischen Berufsschule 2 statt. Dafür steht die Pädagogin Sina Klotzbücher in engem Austausch mit der Beratungsstelle für junge Geflüchtete, kurz PUR.