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Stand: 22.05.2018

Reportage

Integration

Der Weg zur Integration braucht Mut und Kreativität

Petra Reichinger hilft bei den Hausaufgaben und anderen Problemen.Petra Reichinger (rechts) hilft bei den Hausaufgaben und anderen Problemen.Saskia Wodnik

Neutraubling ist ein Schmelztiegel. Die Stadt im Landkreis Regensburg wurde 1951 von Flüchtlingen gegründet und gehört zu den fünf Vertriebenengemeinden in Bayern. "Das Thema Integration war hier von Anfang an sehr groß. Das zieht sich bis heute durch", sagt Reichinger. Die Diplom-Pädagogin muss es wissen. Sie leitet dort die ehrenamtliche Hausaufgabenbetreuung in der Pfarrei St. Michael. Zwölf Kinder aus sechs Nationen, darunter auch Kinder aus einer Asylbewerberfamilie, kommen regelmäßig zu ihr.

Aus einem Zimmer im Pfarrsaal St. Michael hört man aufgeregte Kinderstimmen. Die Gruppe um Petra Reichinger hat es sich auf dem großen Teppich in der Mitte des Raumes gemütlich gemacht. "Das ist unser Wohlfühlteppich. Hier können die Kinder erst einmal alles erzählen, was sie am Tag so erlebt haben", sagt sie. Petra Reichinger hört aufmerksam zu und fragt nach. "Ich möchte die Kinder in ihrer ganzheitlichen Dimension betrachten. Da liegen häufig vielschichtige Gründe dahinter", so Reichinger. Bis die Kinder den Mut haben, über solche Dinge zu sprechen, braucht die Pädagogin viel Einfühlungsvermögen und Verständnis.

Mut war auch für Petra Reichinger sehr wichtig. 2010 lief das Projekt Hausaufgabenbetreuung an. Viele Bürger der Stadt sahen dafür keine Notwendigkeit. Doch für die Initiatorin war die Not offensichtlich. In Neutraubling leben viele Menschen unterschiedlicher Nationalität nebeneinander her. "Die Sprachbarriere ist nur ein Teil der Problematik, die im Alltag zum Vorschein kommt", so die Gruppenleiterin. In Pfarrer Josef Weindl und dem Diözesan-Caritasverband Regensburg fand Petra Reichinger engagierte Unterstützer. "Ehrenamtliche Hilfe vor Ort für Kinder aus sozial benachteiligen Familien ist eine wichtige Aufgabe der Caritas", sagt Maria Plank, Referentin für Gemeindecaritas beim Caritasverband Regensburg.

Nach den Hausaufgaben sitzen alle wieder auf dem Wohlfühlteppich. Mit viel Kreativität und vor allem spielerisch lernt die Diplom-Pädagogin mit den Kindern Deutsch. Die vier Mädchen aus einer tschetschenischen Asylbewerberfamilie profitieren davon besonders. Die Wechselwirkung ist enorm. "Durch den Erfolg beim Spielen kommt auch die Motivation für die Hausaufgaben", ist Reichinger überzeugt. Und die Hausaufgabenbetreuung in St. Michael ist gleichzeitig Rückzugsraum für die Kinder. "Die Kinder leben häufig isoliert von anderen Kindern und sehen das hier bei uns wie eine Ersatzfamilie", sagt die Pädagogin.

Das Ausbrechen aus dieser sozialen Isolation und die Integration in die Gesellschaft ist der wichtigste Punkt dieses Projektes. "Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammenzuführen und zwischen ihnen zu vermitteln - das ist Kirche für mich", fasst Reichinger ihren Auftrag zusammen. Petra Reichinger stellt Kontakte her, vermittelt die Familien der Kinder an betreffende Stellen und hat zusätzlich immer noch ein offenes Ohr, wenn die Kinder und Eltern ihre Probleme besprechen möchten. Die Experten der Sozial-, Asyl- oder Schuldnerberatung der Caritas sind für die Familien, wenn es notwendig wird, schnell erreichbar. "Caritas vor Ort funktioniert nur durch Leute wie Frau Reichinger", sagt die Caritas-Referentin Maria Plank. Dabei arbeiten Ehrenamtliche wie Petra Reichinger Hand in Hand mit den professionellen Caritas-Diensten im organisierten Verband. Nur so lassen sich die sozialen Herausforderungen in Zukunft gemeinsam stemmen. "Wir brauchen den Mut, neue Wege zu gehen - das ist Sozialcourage", so Reichinger.

"Stadt - Land - Zukunft" ist das Motto der Caritas-Jahreskampagne 2015 (www.stadt-land-zukunft.de). Sie fordert dazu auf: "Hilf mit, den Wandel zu gestalten!". Die Arbeit der Hausaufgabenbetreuung Neutraubling wird dort vorgestellt.