Häuser bis unters Dach im Wasser, Berge von kaputtem Hausrat mitten auf den Straßen, der fahle Geruch von Öl in der Luft: Die Jahrhundertflut im Juni hat gerade Deggendorf, hauptsächlich in den Ortsteilen Fischerdorf, Natternberg und Altholz, besonders getroffen. Im Auftrag des Bistums hat die Caritas vor Ort gleich nach der Flut an alle betroffenen Haushalte 300 Euro Soforthilfe ausbezahlt. In einer zweiten Hilfswelle bekamen eben diese betroffenen Familien weitere 2000 Euro, um das Nötigste für den Haushalt anschaffen zu können. "Was die Menschen jetzt brauchen, ist Zeit und Geld", sagt Hans-Jürgen Weißenborn, Geschäftsführer des Kreis-Caritasverbandes Deggendorf. Die Kirche von Regensburg wird weiterhin dafür sorgen, dass die Angebote nachhaltig sind, über den Rest des Jahres und darüber hinaus. Mit ihren Beratungsdiensten kann die Caritas vor Ort professionell helfen, bei allen Fragen, die nach einer Katastrophe dieses Ausmaßes auftauchen. Die große Vielfalt an Caritas-Diensten und die damit verbundenen kurzen Wege erhöhen die Effizienz der Beratung. Sie ist selbstverständlich kostenlos und unabhängig von Herkunft und Religionszugehörigkeit.
Gespräche, Formulare, Ansprüche - Die Allgemeine Sozialberatung berät
Die Allgemeine Sozialberatung (ASB) unterstützt die Flutopfer bei der psychischen und physischen Bewältigung. Es sind nicht nur Häuser, Autos und Kühlschränke zerstört worden, ganze Existenzen sind bedroht. Der Stress und die Ungewissheit vor der Zukunft nagen psychisch und körperlich an den Betroffenen. Manche bringen kaum mehr genügend Energie auf, um die Aufräumarbeiten fortzusetzen und wieder ein normales Leben zu beginnen. "Ich finde nicht in meinen Alltag zurück, komme nicht zur Ruhe, bin vergesslich, unkonzentriert, müde und erschöpft. Meine Kraft, meine Energie ist mir einfach verlorengegangen", sagt ein Opfer. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ASB bieten psychosoziale Beratungsgespräche, Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen, Klärung von materiellen oder finanziellen Ansprüchen nach einem Hochwasserschaden und Unterstützung bei Behördengängen an.
Um eine zügige und unbürokratische Hilfestellung geben zu können, ist es sinnvoll, Termine zuvor telefonisch unter Tel. 0991/389713 zu vereinbaren. Außensprechstunden finden jeden Mittwoch von 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr in Plattling (Preysingstraße 6) und jeden ersten Montag im Monat in Schöllnach ( Bahnhofstr . 11) von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr statt.
Wenn Kinder und Jugendliche überfordert sind - Die Erziehungsberatung hilft
Solche Katastrophen belasten die Menschen nicht nur materiell. Sie wirken sich auch körperlich und seelisch aus, bei Erwachsenen ebenso wie bei Kindern und Jugendlichen. Kinder und Jugendliche reagieren sehr unterschiedlich. Es hängt davon ab, ob die Situation überraschend, hoch bedrohlich und angstauslösend war, oder die Familie sich vorbereiten konnte. Wie viel zerstört wurde und verloren gegangen ist, hat auch Einfluss auf die Reaktion. Wichtig ist gerade in solchen Ausnahmesituationen, dass Erwachsene im Umfeld für die Kinder oder Jugendlichen auch da sein können. Genau da liegt häufig das Problem: Eltern geht es meist erst mal um die materielle Absicherung und Perspektive, quasi ums Überleben. Kinder und Jugendliche stellen sich auf diese unterschiedlichen Bedingungen ein und reagieren entsprechend. Einige empfinden alles eher als ein großes Abenteuer; andere verhalten sich besonders brav, tapfer und hilfsbereit; einige sind traurig, weil sie soviele für sie wichtige Dinge verloren haben, wieder andere zeigen Ängste und klammern sich an ihre Eltern. Manche Kinder und Jugendlichen kommen dauerhaft gut mit der Situation zurecht, während bei einem Teil von ihnen seelische oder körperliche Auswirkungen festzustellen sind. Dabei werden Reaktionen wie Trauer oder Angst häufig nicht sofort, sondern erst später gezeigt. Gefühle wie Erschöpfung, Ängste oder Hilflosigkeit kommen später. Die Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung des Caritasverbandes bietet Eltern ihre Unterstützung an, wenn sie sich Sorgen machen, welche Auswirkungen die Hochwasserkatastrophe auf ihre Kinder hat, oder wenn sie Veränderungen wie oben beschrieben bemerken. Und sie hilft Kindern und Jugendlichen, die dabei Hilfe brauchen, die Erlebnisse zu verarbeiten.
Die Beratung kann persönlich, am Telefon oder auch online unter www.caritas.de/onlineberatung erfolgen. Auf der Internetseite der Beratungsstelle ( www.erziehungsberatung-deggendorf.de ) ist als erste Hilfe auch ein Informationsblatt hinterlegt, wie Eltern bzw. Bezugspersonen Kindern und Jugendlichen im Katastrophenfall helfen können.
Wenn die Katastrophe Familien ins Wanken bringt - Die Ehe-, Familien- und Lebensberatung bietet Raum zum Reden
Für viele Menschen ist nach der Hochwasserkatastrophe nichts mehr wie zuvor. Wenn die Existenz bedroht ist, wenn man nicht mehr weiß, wie es weitergehen soll, wenn alle Pläne für das weitere Leben in Frage gestellt sind, dann kann es einfach gut tun, mit jemanden darüber zur reden, der nicht unmittelbar in das Geschehen eingebunden ist. Daraus ergeben sich häufig neue Perspektiven für das zukünftige Leben. Es können Einzelperson oder auch Paare kommen. Not schweißt oft zusammenschweißen. Viele Paare haben in der Katastrophe auch neu erfahren, dass sie einen verlässlichen und stärkenden Partner an ihrer Seite haben. In Krisensituationen kommen aber auch nicht selten zwischenmenschliche Probleme an die Oberfläche, die zuvor unter der Decke gehalten wurden. Gespräche in einem geschützten Rahmen können in vielen Fällen einer Streiteskalation entgegenwirken. Die Ehe-, Familien- und Lebensberatung bietet Zeit, Fachkompetenz und den geschützten Rahmen dazu. Absolute Schweigepflicht ist selbstverständlich. Jeder ist willkommen, unabhängig von Alter, Familienstand, Konfession oder Weltanschauung. Im Mittelpunkt steht der Mensch. Alles andere wird dem untergeordnet. Die Beratung ist kostenlos. Die Berater versuchen alles, um Hilfesuchenden so bald wie möglich einen Termin anzubieten.
Kontaktaufnahme ist möglich unter der Nummer 0991/371340 oder per E-Mail: eheberatung-deggendorf@bistum-regensburg.de .
Ob wir das finanziell schaffen? Die Schuldnerberatung zeigt Wege auf!
Die Schäden, die die Flut in Deutschland hinterlassen hat, werden bundesweit auf etwa acht Milliarden Euro geschätzt. Für viele, die ihre Hauskredite und sonstigen Schulden noch abbezahlen müssen, ist dies eine enorme finanzielle Belastung. Die Menschen haben oft schon ihre finanziellen Möglichkeiten ausgeschöpft und zahlen noch alte Kredite ab, wo doch wieder eine neue Finanzierung nötig wäre, um die dringendsten Einrichtungen bzw. Reparaturen bezahlen zu können. Mit Sicherheit werden die Flutopfer, und darunter hauptsächlich die Hausbesitzer, aber auf einem beträchtlichen Minus sitzenbleiben, das sie selbst bewältigen müssen. Die Banken unterstützen Flutopfer mit zinsfreien oder zinsgünstigen Mitteln. Sollte sich jedoch jemand langfristig nicht in der Lage sehen, seine Schulden in den Griff zu bekommen, bietet das Team der Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle seine Hilfe an. "Wir informieren und beraten über existenzsichernde Maßnahmen, erstellen Pfändungsschutz- Kontobescheinigungen und Haushaltspläne, führen Gläubigerverhandlungen, zeigen Entschuldungsmöglichkeiten auf und begleiten gegebenenfalls bis zum Insolvenzverfahren", führt Sandra Nagl , Leiterin der Schuldnerberatungsstelle aus. "Je früher sich Betroffene an uns wenden, desto besser."
Terminvereinbarungen sind montags bis freitags von 9.00 bis 12.00 Uhr telefonisch unter 0991/296603-0 möglich.
Wenn nichts bleibt von der Säuglingsausstattung - Die Schwangerschaftsberatung bietet Hilfe für Mütter und werdende Mütter
Kinderbettchen, Kinderschaukel und Laufstall - all das hat die Flut zerstört. Zahlreiche Mütter und schwangere Frauen haben keine Möglichkeit mehr, ihren Kindern auch nur die nötigsten Kleidungsstücke und Schlafsachen zu bieten. Claudia Delija , die Leiterin der Caritas-Schwangerschaftsberatung in Deggendorf sagt: "Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, diesen Frauen und ihren Kindern zu helfen." Die Beratungsstelle, die sich um Schwangere und Eltern von Kindern bis drei Jahre kümmert, bietet neben der psychosozialen Beratung vor allem Unterstützung bei Anträgen für materielle und finanzielle Entschädigungen an, zum Beispiel bei der Landesstiftung "Hilfe für Mutter und Kind". Unschuldig in Not geratene Müttern können so beispielsweise eine neue Baby-Erstausstattung wie Kinderbett, Laufstall oder ein Wickelbrett bereitgestellt bekommen. Sollten betroffene Mütter bei der Landesstiftung bereits einen Antrag gestellt haben, kümmert sich die Schwangerschaftsberatungsstelle um einen Folgeantrag. "Wir versuchen hier eine schnelle Lösung zu finden", so Delija.
Erreichbar ist die Caritas-Schwangerschaftsberatungsstelle entweder persönlich in der Detterstraße 35 in Deggendorf, per Telefon unter 0991/29055-40 oder per E-Mail deggendorf@caritas-schwangerschaftsberatung.de. Um Terminvereinbarung vorab wird gebeten.
Pressemitteilung
Die Flut ist weg, Caritas und Kirche bleiben nah
Erschienen am:
06.09.2013
Herausgeber:
Caritasverband für die Diözese Regensburg e.V.
Von-der-Tann-Straße 7
93047 Regensburg
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