Gertrud Enzinger in ihrer liebsten Dienstkleidung, als Leiterin des Caritas-Pflegeheimes in Mainburg.Caritas Regensburg/Vogl
Eine Frau, die für die Pflege lebt, geht in Rente: Gertrud Enzinger hat drei Jahrzehnte in verschiedenen Positionen bei der Caritas Regensburg gearbeitet, die längste Zeit als Heimleiterin im Caritas Alten- und Pflegeheim St. Michael in Mainburg. Zum 1. Juni übergibt sie nun die Leitung des Hauses an Regina Niederer. Sie bleibt der Caritas in gehobener Position ehrenamtlich erhalten. Sie ist Mitglied im Vorstand des Diözesan-Caritasverbandes Regensburg – als starke Stimme für die Menschlichkeit.
In Oberbayern geboren und aufgewachsen, erkennt Gertrud Enzinger früh ihre Neigung zu einem pflegerischen Beruf: Bereits mit 16 Jahren half sie im Rosenheimer Krankenhaus mit, als "Stationsmädel", mit 18 machte sie die Ausbildung zur Krankenschwester. Nie träumte sie davon, eine Familie zu gründen. Ihr Beruf und die damit verbundenen Ziele erfüllten die junge Frau. "Die Pflege ist für mich mehr als ein Job", sagt sie. Enzinger arbeitete bereits mit 22 Jahren als Leiterin einer Intensivstation und übernahm zehn Jahre später die Pflegeleitung der onkologischen Station im Regensburger Krankenhaus Barmherzige Brüder. 1988 kam dann der Wechsel von der Krankenpflege in die Altenpflege. Sie war in ihren Dreißigern, "da will man sich nochmal verändern."
Sie startete als Pflegerin bei einer Caritas-Sozialstation, "weg von der Verantwortung, mehr Leben", und fühlte sich doch bald wieder zu Führungsaufgaben hingezogen: 1990 übernahm sie die Leitung des Caritas Alten- und Pflegeheims St. Emmeram in Geisenfeld, vier Jahre später wechselte sie als Heimleiterin nach Mainburg, zwischen 2008 und 2016 leitete sie beide Caritashäuser, die Konzeption des Neubaus in Geisenfeld eingeschlossen, "ein Traumhaus".
Die Verantwortung für die Pflege älterer Menschen habe sie vieles gelehrt, erzählt Enzinger, darunter auch, "dass gestorben werden darf." Aus dem Krankenhaus kannte sie den medizinischen Kampf um jeden Atemzug, im Pflegeheim musste sie den Tod akzeptieren. Für sie persönlich verlor er seinen Schrecken, ja, er lehrte sie zu leben. Sterbende würden häufig sagen, sie hätten vergessen zu leben, sie würden so vieles anders machen, wenn sie könnten, erzählt die Altersexpertin. Enzinger arbeitete nicht nur als Heimleiterin, sondern engagierte sich ehrenamtlich in der Hospiz- und Palliativarbeit. Sie hat eigentlich genug Pflegearbeit für ein Leben geleistet, möchte sich aber auch künftig nicht ausruhen. Vor kurzem wurde Gertrud Enzinger in den Vorstand der Caritas Regensburg gewählt. Wer entscheidet, müsse ans Geld denken, klar, sagt sie – aber eines sei doch wirklich wichtiger: der Mensch. In diesem Sinne werde sie mitgestalten.
Im Caritas Alten- und Pflegeheim in Mainburg wird dann jemand anderes die Verantwortung tragen: Regina Niederer. Im Gegensatz zu Enzinger hat sie ihre Karriere bei der Caritas erst gestartet. Sie arbeitet seit Dezember 2017 als Pflegedienstleiterin im Alten- und Pflegeheim St. Bernhard in Bernhardswald. "Ich kann hier bei der Caritas meine Ideen einbringen und habe viele Gestaltungsmöglichkeiten", sagt sie über ihre Arbeit in dem Sozialverband. Wie ihre Vorgängerin kam sie auf Umwegen in die Altenpflege: Sie ist gelernte Krankenschwester und machte nach ihrer Ausbildung den Bachelor in Pflegemanagement sowie den Master in angewandten Sozial- und Bildungswissenschaften. Auch für sie, die Wissenschaft und Praxis vereint, ist die Pflege mehr als ein Job.