Caritasdirektor Michael Weißmann (2.v.r) begrüßte zu Beginn des Fachtages „Sucht im Betrieb“ zusammen Marion Santl, Leiterin der Cartas Fachambulanz für Suchtprobleme (3.v.r.), die Referenten und die TeilnehmendenH. C. Wagner
Regensburg - "Nach Krisen können neue Wege entstehen - besonders dann, wenn Menschen nicht alleine bleiben. Gute Suchthilfe braucht deshalb Vernetzung, Fachlichkeit, Verständnis und Ausdauer", begrüßte Caritasdirektor Michael Weißmann die Teilnehmerinnen und Teilnehmerbei der Fachtagung "Sucht im Betrieb" in der Caritas Fachambulanz für Suchtprobleme. "Hinter dem Horizont geht´s weiter" war als Titel für das beliebte Präsenz-Format gewählt worden, bei dem neben Fachvorträgen auch die Möglichkeit zum Austausch bestand. Rund 50 Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Abteilungen von Unternehmen und Behörden aus ganz Bayern waren dem Ruf nach Regensburg gefolgt.
Eine abgeschlossene Therapie bedeute nicht automatisch, dass "alles wieder gut" ist, führte Marion Santl, Leitung der Caritas Fachambulanz für Suchtprobleme und Referatsleitung Suchthilfe und Sozialpsychiatrie, in das Thema ein. "Häufig beginne nach einer stationären oder ambulanten Behandlung erst der eigentlich herausfordernde Teil: der Weg zurück in den Alltag, in Familie, Beziehungen und Beruf", erklärte Santl. "Alte Belastungen tauchen wieder auf, Unsicherheiten bleiben bestehen und nicht selten entstehen neue Krisen." Das Motto des diesjährigen Fachtages, eine Erinnerung an den gleichnamigen Song von Udo Lindenberg, definiert den Horizont als etwas, "was wir im Moment vielleicht noch nicht sehen können - für Möglichkeiten, neue Wege und Zukunft."
Selbsthilfe - gemeinsam Wege gehen
Rund 50 Teilnehmende nahmen am Fachtag „Sucht im Betrieb“ unter dem Motto „Hinter dem Horizont geht´s weiter“ teil, den Marion Santl, Leiterin der Caritas Fachambulanz für Suchtprobleme mit ihrem Team organisiert hatteH. C. Wagner
"Betriebe können ein wichtiger Zugangsort sein, um Betroffene frühzeitig zu erreichen", betonte Dr. Daniela Ruf, Bundesgeschäftsführerin des Kreuzbundes, in ihrem Fachvortrag. Zudem könne die Zusammenarbeit mit den Betrieben einen wichtigen und notwendigen Beitrag zur Entstigmatisierung von Suchterkrankungen leisten. "Eine Kultur des Hinschauens und Ansprechens, verbunden mit guten und klaren Hilfewegen kann viel verändern." Aufgabe der Führungskräfte in den Betrieben sei es, Türen zur Hilfe zu öffnen. "Sie müssen keine Therapeutinnen und Therapeuten sein."
Prof. Dr. Larissa Schwarzkopf, Leiterin der Forschungsgruppe "Therapie- und Versorgungsforschung" an der IFT - Psychotherapeutische Ambulanz in München, stellte in ihrem Vortrag die "Suchthilfe als Erfolgsmodell?" auf den Prüfstand. Sucht am Arbeitsplatz sei kein "Exotenthema", sondern gelebte Realität. "Suchthilfe entfaltet weitreichende Wirkung jenseits von Konsummengenveränderung", so die Expertin. "Investition und Suchthilfe zahlen sich aus gesellschaftlicher Perspektive aus.
Zwei weitere, praxisorientierte Vorträge trugen Michaela Lang, Leitung der Caritas Fachambulanz Weiden für Suchtprobleme, mit dem Thema "Ambulante Nachsorgebehandlung: Nachhaltige Hilfe nach der Behandlung" und der Regensburger Caritas Suchtberater Wolfgang Keim bei. Er beleuchtete den Block "Rückfall und Krise: Was hilft in schwierigen Phasen?".
Nach einer abschließenden Podiumsdiskussion gab es Feedback von den Teilnehmenden aus verschiedensten Fachbereichen bekannter Unternehmen aus Wirtschaft, Kultur und Verwaltung für die eintägige Fachtagung. Tenor: "Strukturiert und durchdacht". Ein Teilnehmer schrieb auf seinen Bewertungsbogen: "Mir hat die Fachtagung neue Motivation, Impulse und inhaltliches Wissen geschenkt."