Inklusion durch Erleben

OBA-Sommerzeltlager 2015

Im Zeltlager fürs soziale Leben lernen

OBA-Mitarbeiter Klaus Klein spricht im Interview über die integrativen Konzepte des Sommerzeltlagers der Pfadfinder Sinzing.OBA-Mitarbeiter Klaus Klein spricht im Interview über die integrativen Konzepte des Sommerzeltlagers der Pfadfinder Sinzing.Caritas Regensburg

"Im Frühsommer wird die Vorfreude richtig groß", sagt Klaus Klein. Der Mitarbeiter der Offenen Behindertenarbeit (OBA) des Diözesan-Caritasverbandes Regensburg organisiert mit den Pfadfindern des DPSG-Stammes Sinzing ein Sommerlager. Seit 14 Jahren besteht diese Kooperation, die jeden Sommer über 200 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10-25 Jahre mit und ohne Behinderung zusammenbringt. Das Erfolgsrezept: Die besondere Mischung aus Respekt, Spaß und Erleben. Kürzlich wurde das Projekt mit dem Inklusionspreis 2014 des Bezirks Oberpfalz ausgezeichnet. Die Redaktion sprach mit Klaus Klein über seine Arbeit.

Herr Klein, wie kam die Kooperation zwischen der OBA und den Pfadfindern zu Stande?

Die Offene Behindertenarbeit hat 2001 nach Kooperationspartnern für Jugendfreizeiten gesucht. Wir wandten uns auch an die Pfadfinder im Raum Regensburg. Die Pfadfinder der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) Sinzing waren sofort von der Idee begeistert, nahmen Kontakt mit uns auf und sagten zu. Weil sie bereits eigene Erfahrung mit behinderten Jugendlichen im Zeltlager hatten, gab es da von Anfang an auch keine Berührungsängste.

Was war Ihre Reaktion?

Ich war sofort begeistert. Es ist immer etwas schwierig, Jugendliche mit und ohne Behinderung zusammen zu bekommen. Viele wissen nicht, wie man mit behinderten Menschen umgeht. Deshalb hatte mich die Anfrage der DPSG Sinzing gleich noch mehr gefreut. Sie hatten den Wunsch, Jugendliche mit Behinderung auf ihr eigenes Zeltlager mitzunehmen. Wir nahmen dankend an und fuhren im darauf folgenden Sommer 2001 mit acht Jugendlichen und drei Betreuern mit. Seitdem nehmen wir jedes Jahr mit acht bis zehn Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 30 Jahren teil.  

Nach getaner Arbeit: Klaus Klein (sitzend) auf einem selbstgebautem Liegestuhl.Nach getaner Arbeit: Klaus Klein (sitzend) auf einem selbstgebautem Liegestuhl.Caritas Regensburg

 

Wie funktionierte das Miteinander der Jugendlichen?

Sehr gut. Es war von Anfang an eine positive Erfahrung. Unsere Jugendlichen wurden vom Pfadfinderstamm sofort warmherzig aufgenommen. Es gab nie eine Unterscheidung zwischen denen und jenen. Es ist bei Pfadfindern üblich, dass jede Gruppe einen Namen von einem Tier annimmt. Wir wurden aufgefordert, einen Namen für unsere Gruppe zu finden. Als die Gruppe der "Frösche" waren wir gleich Teil der Pfadfinder-Familie.

Auch im vergangenen Sommer waren wieder acht Jugendliche und vier Betreuer dabei. Was haben die Frösche so erlebt?

Wie jede andere Gruppe nahmen wir am Lagerprogramm und am Lageralltag teil. Das bedeutete gemeinsame Mahlzeiten, Abspül-, Küchen- und Weckdienst, die Mitgestaltung des Gottesdienstes, Aufräumen des Lagerplatzes und Teilnahme an Workshops. Aber vor allem der Spaß und das gemeinsame Erleben stehen im Mittelpunkt: beim Chillen am See oder bei Spielen in der Natur. Das Highlight - wie in jedem Jahr - war übrigens die Lagerdisco. Hier können die Jugendlichen mal richtig schön abfeiern, tanzen und neue Freunde treffen. Das alles natürlich ohne Alkohol.

Wer schön sein will, muss still halten: Der Workshop „Gesichtsmaske“ war bei allen Jugendlichen sehr beliebt. Wer schön sein will, muss still halten: Der Workshop „Gesichtsmaske“ war bei allen Jugendlichen sehr beliebt. Caritas Regensburg

Was passiert in den Workshops?

Vor allem handwerkliche Arbeiten. Im letzten Jahr schmiedeten wir, bastelten  Armbänder und beteiligten uns auch am Bau des Altars für den Sonntagsgottesdienst. Jeder konnte sich das Thema aussuchen, was ihn am meisten ansprach. Einer unserer Jugendlichen wirkte auch an der Zeltlagerzeitung mit.

Kürzlich wurde das Projekt vom Bezirk der Oberpfalz mit dem Inklusionspreis ausgezeichnet. Sind Sie stolz darauf?

Stolz ist ein starkes Wort. Wir freuen uns, dass unsere Kooperation Anerkennung findet. Viel wichtiger ist uns aber, dass die Teilnehmer der Freizeiten mit neuen Gedanken nach Hause gehen. Ganz besonders freut es mich, dass echte Freundschaften zwischen den Jugendlichen entstanden sind. Da sieht man, dass eine Behinderung keine Grund sein muss, mit jemanden nicht befreundet zu sein.

Was heißt  "mit neuen Gedanken nach Hause gehen"?

Von Inklusion hat jeder schon einmal gehört. Aber was es in der Praxis bedeutet, ist nicht so bekannt. Bei den Freizeitlagern im Sommer lernen die Kinder und Jugendlichen auf ganz natürliche Art mit Gleichaltrigen, die eine Behinderung haben, umzugehen. Sie verbringen Zeit mit ihnen und tragen auch mal Streitereien aus. Es ist ein selbstverständlicher Umgang miteinander. Diese Gedanken und Erfahrungen tragen die Jugendlichen dann in ihre Familien, die Schule und ihren Alltag. Sie werden zu Multiplikatoren unserer inklusiven Lagergemeinschaft.

Aber den Preis nehmen Sie trotzdem gern an?

Klaus Klein lacht. Natürlich. Der Preis lenkt ein wenig Aufmerksamkeit auf unser Projekt. Und das Preisgeld können wir auch gut gebrauchen. Zusammen mit den Pfadfindern fanden wir für das Geld eine sinnvolle Verwendung.

Welche?

Ein Zeltlager kann für einige Menschen mit Behinderung Probleme darstellen, wo man es vielleicht gar nicht vermutet. Die Dixie-Toiletten und auch die Duschen sind sehr beengt. Das Preisgeld soll eingesetzt werden, um hier behindertengerechte Einrichtungen anzuschaffen bzw. die Leihgebühr hierfür zu zahlen.

Also geht das Projekt auch in Zukunft weiter?

Selbstverständlich. Die DPSG Sinzing und die OBA sind seit vielen Jahren ein eingespieltes Team. Alle Beteiligten wollen auf das gemeinsame Erleben des Sommerlagers nicht verzichten. Wir denken derzeit auch darüber nach, die Kooperation auch außerhalb der Sommerferien zu intensivieren. Zum Beispiel überlegen wir, ob regelmäßige Gruppenstunden der Frösche über das gesamte Jahr verteilt sinnvoll sind.

Herr Klein, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Zusatzinfo 1 (Inklusionspreis des Bezirks Oberpfalz):

Selbstbestimmung, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und Chancengleichheit aller Menschen sind ein wichtiges Ziel der Inklusion. Hierzu lobt der Bezirks Oberpfalz seit 2013 jährlich einen Inklusionspreis aus. Das Preisgeld in Höhe von 9000 Euro wird auf maximal bis zu drei Preisträgern aufgeteilt. Zu den ersten Preisträgern 2013 gehörte ebenfalls eine Projekt der Caritas Regensburg: das Musikprojekt Rock ’n‘ Roses, das jedes Jahr behinderte und nicht-behinderte Musiker auf der Bühne zusammenbringt.


Zusatzinfo 2 (Freizeit 2015):

Das integrative Zeltlager 2015 steht unter dem Motto "Asien" und wird vom 1. Bis 8. August bei Ried am See stattfinden. Die "Frösche" werden an vier Tagen teilnehmen. Der Teilnahmebeitrag beträgt 165 Euro. Interessierte Jugendliche für die "Frösche"-Gruppe können sich bei der Offenen Behindertenarbeit der Caritas Regensburg melden. Kontakt: Von-der-Tann-Straße 11a, 93047 Regensburg, 0941/5021-128, oba@caritas-regensburg.de

Das Sommerlager ist nur eine von vielen Freizeitaktivitäten. Auf der Internetseite der OBA finden Sie das gesamte Freizeit- und Veranstaltungsheft der Offenen Behindertenarbeit für Frühjahr und Sommer 2015 zum Download. Hier können Sie Informationen zu Veranstaltungen und Gruppenausflügen der Offenen Behinderten einsehen und ihre Kinder anmelden.


Zusatzinfo 3 (OBA):

Der Fachdienst Offene Behindertenarbeit (OBA) der Caritas Regensburg bietet Menschen mit Behinderung und ihren Angehörigen Beratung, ambulante Hilfen und Kontaktmöglichkeiten und steht derzeit mit 150 Familien regelmäßig im Kontakt.

Weitere Informationen im Internet unter: www.caritas-regensburg.de/oba

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