Die Referenten des Suchtarbeitskreises v.l.n.r. bei der Gedenkfeier: Felix Domnick (drugstop e.V.), Helga Salbeck (Suchtarbeitskreis Regensburg), Marion Santl (Caritas), Dr. Adelheid Burkhart-Reichl (Rafael e.V.) und Xaver Greil (Kontakt e.V.)H. C. Wagner
Regensburg - Bunte Schmetterlinge ziehen normalerweise mit schwereloser Leichtigkeit ihre Kreise durch die Luft. Am Drogentotengedenktag tragen sie eine traurige Last: die Namen von Opfern und Grußbotschaften an die Verstorbenen. Jeder Papierschmetterling steht für mindestens einen vermissten Menschen, der den Kampf gegen eine oder mehrere Substanzen verloren hat. Im Jahr 2025 verstarben in Deutschland 2.150 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums, davon 247 in Bayern, 27 in der Oberpfalz, 14 im Landkreis Regensburg, sechs in der Stadt. Traditionell rufen die Caritas Suchthilfe gemeinsam mit Kontakt e.V., Rafael e.V., drugstop e.V. und dem Suchtarbeitskreis Regensburg am 21. Juli zu einer Gedenkfeier am "Milchschwammerl" nahe des Regensburger Hauptbahnhofes auf.
Die bunten Papierschmetterlinge erinnern sehr persönlich an Menschen, die an den Folgen von Drogenkonsum verstorben sindH. C. Wagner
Durch die Veranstaltung führt Marion Santl, Leitung der Caritas Fachambulanz für Suchtprobleme und Referatsleitung Suchthilfe & Sozialpsychiatrie im Diözesanverband. "Wenn wir heute über Drogentote sprechen, müssen wir auch über Stigmatisierung sprechen", so Santl, "denn viele Menschen sterben nicht nur an den Folgen ihres Konsums, sie leiden schon vorher oft jahrelang unter Ausgrenzung, Scham und dem Gefühl, nicht dazuzugehören."
"Ruhe in Frieden", "Auf ewig vermisst" oder einfach Kosenamen schreiben die Teilnehmenden auf die bunten Papierschmetterlinge, bevor sie diese an das große weiße Banner mit der Zahl 2.150 heften. Begleitet wird das von einfühlsamer Gitarrenmusik. Vorausgegangen ist diesem besonderen Gedenkakt eine Reihe von Kurzstatements aus dem Regensburger Hilfesystem. Xaver Greil von "Kontakt e.V." spricht über Wohnraum, Dr. Adelheid Burkhardt-Reichl von "Rafael e.V." über die Verfügbarkeit von Notfallmitteln bei Überdosierung, Felix Domnick von "drugstop e.V." über "Drug Checking", also die Möglichkeit Drogen auf ihre Konsistenz und die Beimischung von Fremdstoffen überprüfen zu können und über notwendige Unterstützung für junge Drogenkonsumenten.
Dies fordert auch die Caritas in Deutschland: "Neue Substanzen und neue, digital gestützte Vertriebswege machen Drogen leichter verfügbar und gefährlicher als je zuvor," so Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa in einer Mitteilung zum Drogentotengedenktag. "Viele wissen nicht, welche Wirkstoffe sie tatsächlich konsumieren. Gerade junge Menschen brauchen frühzeitig Unterstützung. Rapide Verelendung fordert schnelle Intervention."