André Kühnle (Mitte), Standortleiter Schaeffler in Regensburg, gemeinsam mit jungen Ingenieurinnen und Ingenieuren im Caritas Pflegeheim Fritz Gerlich. (Foto: H.C. Wagner)
Regensburg. Am Ende des Projekts sind sie tief berührt. Zwei junge Ingenieure von Schaeffler stehen in der Pflegeoase des Caritas Pflegeheims Fritz Gerlich. Hier leben Menschen mit hohen Pflegebedarfen, die sich kaum noch bewegen und kaum noch sprechen können. Die beiden Ingenieure haben eine selbst gebaute Tastwand mitgebracht. Vorsichtig legt ein Bewohner seine Hand darauf, ertastet die verschiedenen Materialien und sagt "das ist spitz, das kratzt".
André Kühnle, Standortleiter Schaeffler in Regensburg, präsentiert mit zwei Nachwuchskräften des Schaeffler-Förderprogramms CHARGE eine der selbstgebauten Tastwände im Caritas Pflegeheim Fritz Gerlich.
(Foto: Susanne Schophoff)
Für die jungen Ingenieure ist dieser Moment etwas Besonderes. Denn jede Reaktion zeigt, dass die Tastwand ihren Zweck erfüllt. "Tast- und Fühlwände werden in der Pflege eingesetzt, um Menschen mit schweren körperlichen oder kognitiven Einschränkungen zu aktivieren, ihre Sinne anzuregen und ihnen Orientierung im Hier und Jetzt zu geben", erklärt Pflegedienstleiterin Tina Grötsch.
Sinnesangebote für die Bewohnerinnen und Bewohner
Rund ein Dutzend solcher Tastwände entstanden im Rahmen eines Sozialprojekts, das Teilnehmende des Schaeffler-Förderprogramms CHARGE gemeinsam mit der Caritas Regensburg umgesetzt haben. Die jungen Ingenieurinnen und Ingenieure planten, schraubten, klebten und gestalteten die Wände selbst. Bewohnerinnen und Bewohner brachten ihre Ideen ein, das Pflegefachpersonal begleitete das Projekt und setzt die Materialien künftig im Pflegealltag ein.
Am folgenden Tag ging das Engagement in einem anderen Caritas Pflegeheim weiter. Im Garten des Elisabethinums gestalteten rund 15 Teilnehmende gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern einen Sinnesgarten. Sie pflanzten Salbei, Schnittlauch, Zitronenmelisse und Pfefferminze, säten Wassermelonen und schufen einen Ort, der künftig alle Sinne ansprechen soll. Bewohnerinnen und Bewohner beobachteten die Arbeiten von den Gartenbänken oder aus dem Rollstuhl, gaben Anregungen und freuten sich über das gemeinsame Tun.
Babak Delshad (re.), Personalleiter am Standort Schaeffler in Regensburg, gemeinsam mit Ingenieurinnen und Ingenieuren im Caritas Pflegeheim Elisabethinum. (Foto: H.C. Wagner)
Denken und Arbeiten ‚out of the box‘
"Ein Sinnesgarten ist mehr als ein schöner Garten", sagt Pflegedienstleiterin Loredana Beringer. "Duftende Kräuter und Blumen sprechen den Geruchssinn an, essbare Pflanzen laden zum Schmecken ein. Das kann Erinnerungen wecken, das Wohlbefinden fördern und schöne gemeinsame Momente schaffen." Aus Salbei und Pfefferminze werden künftig Tees zubereitet, Zitronenmelisse unterstützt die Mundpflege, und die Wassermelonen werden an heißen Sommertagen für süße Erfrischung sorgen.
Die beiden Projekte sind Teil des Förderprogramms CHARGE am Schaeffler-Standort Regensburg. Jedes Jahr organisieren die Teilnehmenden eigenverantwortlich ein Sozialprojekt, in diesem Jahr erstmals in Kooperation mit der Caritas.
Babak Delshad, Personalleiter am Standort Schaeffler in Regensburg, hilft beim Gestalten des Sinnesgarten im Caritas Pflegeheim Elisabethinum.
(Foto: H.C. Wagner)
"Das ist Denken und Arbeiten komplett ‚out of the box‘", sagt André Kühnle, Standortleiter Schaeffler in Regensburg. "Unsere Mitarbeitenden verlassen ihr gewohntes Arbeitsumfeld und erleben, wie sie mit ihren Fähigkeiten unmittelbar etwas für andere Menschen bewirken können." Personalleiter Babak Delshad ergänzt: "Solche Begegnungen eröffnen neue Perspektiven. Sie fördern soziale Kompetenzen und stärken das Verständnis füreinander. Davon profitieren die Teilnehmenden weit über ihren Berufsalltag hinaus."
Denn entstanden sind nicht nur Tastwände und ein Sinnesgarten. Vor allem entstanden Gespräche - zwischen jungen Ingenieurinnen und Ingenieuren, älteren Menschen und den Mitarbeitenden in der Pflege.
Brücken zwischen Lebenswelten
"Wir leben in derselben Stadt und arbeiten doch in zwei unterschiedlichen Welten", sagt Projektorganisatorin Rebekka Seidenschwand. "Gerade deshalb war dieser Austausch so wertvoll." Auch ihre Kollegin und ebenfalls Projektorganisatorin, Andrea Steiger, nimmt vor allem die Begegnungen mit: "Wir haben so viele schöne Geschichten aus dem Heim erfahren. Besonders berührt hat mich die Geschichte von zwei Bewohnern, die sich hier kennengelernt und verliebt haben."
Auch für die Caritas Regensburg sind Kooperationen wie diese auf mehreren Ebenen wertvoll. "Unsere Bewohnerinnen und Bewohner haben erlebt, dass junge Menschen sich Zeit für sie nehmen und ihre Bedürfnisse ernst nehmen. Gleichzeitig konnten die Teilnehmenden einen Einblick in den Pflegealltag gewinnen", sagt Susanne Fuhrmann-Gores, Einrichtungsleiterin Caritas Pflegeheim Elisabethinum. Solche Begegnungen zwischen Menschen, die sich im Alltag selten begegnen, bauten Berührungsängste ab und schafften Verständnis.
Die Caritas Regensburg bedankt sich bei Schaeffler und allen Teilnehmenden des Förderprogramms CHARGE für ihren engagierten Einsatz. Aus zwei Tagen gemeinsamer Arbeit sind nicht nur neue Sinnesangebote für die Bewohnerinnen und Bewohner entstanden, sondern auch Brücken zwischen Lebenswelten gebaut worden.