Haben den Workshop „Wer, wenn nicht wir? Pflege.Macht.Politik“ entwickelt: die Praxisanleiter und ausgebildeten Pflegepädagogen Hannah Igl und Johannes Lichtenegger. (Foto: Susanne Schophoff)
Regensburg. Bei der Caritas zeigt sich Pflege mal anders - nämlich politisch. Die beiden Pflegeprofis Johannes Lichtenegger (25) und Hannah Igl (29) veranstalten am Donnerstag, 30. April, 9 bis 16.30 Uhr, einen berufspolitischen Workshop in der Caritaszentrale. Der Titel: "Wer, wenn nicht wir? Pflege.Macht.Politik."
"In der Politik reden und entscheiden Menschen über die Pflege, die noch nie in diesem Beruf gearbeitet haben", sagt Diözesan-Caritasdirektor Michael Weißmann, selbst gelernter Krankenpfleger. Der Caritasverband finanziert den Workshop, um möglichst vielen Pflegekräften eine Teilnahme zu ermöglichen. Weißmann: "Pflegeprofis müssen sich einmischen und mitentscheiden."
Pflege ist die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen
Im Workshop geht es um mehr Mitsprache und Einfluss in der Gesundheitspolitik. "Pflege bewegt täglich Menschen - aber wer bewegt die Pflege?", heißt es im Programm. Pflege ist die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen - doch auf politischer Ebene bleibt sie oft ohne Einfluss. Der Workshop soll Wege aufzeigen, wie sich das ändern lässt.
Entwickelt wurde das Format von den Pflegefachpersonen Hannah Igl und Johannes Lichtenegger. Sie arbeiten beide in der Praxisanleitung und sind ausgebildete Pflegepädagogen. Für sie ist Pflege "unverzichtbar, anspruchsvoll, menschlich – und wunderschön". Dafür lohnt sich ihr Einsatz.
Politik gibt Rahmenbedingungen vor
"Die schwierigen Rahmenbedingungen habe ich bereits während meiner Ausbildung erlebt", sagt Igl. "Es gibt gravierende Systemmängel." Auch Lichtenegger betont den Einfluss politischer Entscheidungen: "Schon früh wurde mir klar, wie stark politische Rahmenbedingungen unsere Arbeit prägen."
Der Handlungsdruck ist groß: Viele Pflegekräfte kämpfen mit hoher Belastung und fehlender Anerkennung. Laut Bundesfamilienministerium lösen rund 30 Prozent der Pflege-Azubis ihre Ausbildungsverträge vorzeitig auf (Stand 2025). Umfragen zufolge (Quelle: ZEIT 2025, Ausgabe 9) denkt rund jede dritte Pflegekraft darüber nach, den Job aufzugeben.
Die Zukunft der Pflege mitgestalten
Für Igl und Lichtenegger war Aufgeben nie eine Option. Im Gegenteil. "Ich möchte aktiv dazu beitragen, den Pflegeberuf voranzubringen", sagt Igl. Sie ist aktives Mitglied in der Fachgewerkschaft Bochumer Bund und setzt sich für die Einführung einer Pflegekammer in Bayern ein. Mit dem Workshop fördert sie berufspolitisches Engagement auf eine der wichtigsten Arten: durch Bildung.
Auch Lichtenegger fordert mehr Beteiligung: "Berufspolitische Themen kommen im Pflegealltag zu selten vor, obwohl sie unsere Arbeit stark beeinflussen." Ein Grund dafür sei der geringe Organisationsgrad innerhalb der Berufsgruppe. "Es gibt viele Möglichkeiten, sich einzubringen - genau diese zeigen wir im Workshop auf."