Fabio leistete 18 Monate lang Freiwilligenarbeit im Caritas-Krankenhaus St. Josef. Jetzt macht er dort seine Ausbildung.privat
Nach der Schule direkt ins Berufsleben oder an die Uni - schließlich sollte der Lebenslauf möglichst keine Lücken aufweisen. Doch immer mehr junge Leute entscheiden sich für ein Jahr Auszeit, ein sogenanntes Gap Year, bevor sie ihre berufliche Laufbahn weiter verfolgen. Das bedeutet aber nicht, dass sie nichts tun: Sie engagieren sich vielmehr in Freiwilligendiensten wie dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), dem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) oder dem Bundesfreiwilligendienst.
Letzterer wurde 2011 geschaffen, als die Wehrpflicht ausgesetzt wurde und damit auch der Zivildienst wegfiel. Im Rahmen des BFDs können sich Frauen und Männer unabhängig von Nationalität und Art des Schulabschlusses für das Allgemeinwohl engagieren. Anders als beispielsweise beim FSJ spielt auch das Alter der Freiwilligen keine Rolle.
"Viele Menschen, die heute in den Ruhestand gehen, sind noch topfit", sagt Stephanie Mörtlbauer von der Caritas Regensburg. "Mit dem BFD den Übergang in den Ruhestand sanft zu gestalten und gleichzeitig einer sinnstiftenden Tätigkeit in sozialen Einrichtungen nachzugehen, ist da eine reizvolle Option. Davon abgesehen: Die Einrichtungen profitieren oft ungemein von der enormen Erfahrung, die ältere Freiwillige mitbringen."
Für jüngere Freiwillige ist der BFD dagegen häufig die erste praktische Berufserfahrung. "Es sind aber keinerlei Vorkenntnisse notwendig", so Mörtlbauer. "An den Einsatzstellen wird jeder an seinem Wissensstand abgeholt. Außerdem steht bei einem Freiwilligendienst weniger das Fachwissen, sondern vielmehr das persönliche Engagement im Vordergrund. Das Know-how kommt mit der Zeit."
Dafür sorgen nicht nur die praktischen Aspekte des BFDs, sondern auch die begleitenden Bildungsseminare. Doch mit der Schulbank drücken hat das nichts gemein: "Die Inhalte reichen von Sucht und Suchtprävention über Interkulturelle Bildung bis hin zu Nachhaltigkeit und Klimawandel und noch vielen weiteren Themen. Vor allem dienen die Seminare aber dazu, dass die Freiwilligen untereinander in Kontakt kommen und sich über ihre Arbeit und Situation austauschen können."
Die gesammelten Erfahrungen prägen die Freiwilligen - und ermöglichen häufig einen Perspektivwechsel. So erging es auch Fabio M., der im vergangenen Jahr den Bundesfreiwilligendienst im Caritas-Krankenhaus St. Josef in Regensburg absolvierte. Eigentlich wollte er Mathematik studieren, doch noch während des BFDs entschied er sich für eine Ausbildung in der Krankenpflege. "Der BFD und die praktische Arbeit veränderten viel bei mir. Krankenpflege ist für mich kein Beruf, sondern eher meine Berufung. Das fand ich erst durch den BFD heraus", so Fabio. "Aber selbst wenn ich festgestellt hätte, die Arbeit im Krankenhaus wäre doch nichts für mich, hätte ich immerhin viel Neues kennengelernt und praktische Erfahrungen gesammelt."
Mit dieser Einschätzung liegt Fabio auch auf der Linie von zahlreichen Personalverantwortlichen: Laut dem Tagesspiegel schätzen Unternehmen Bewerberinnen und Bewerber, die praktische Erfahrung vorweisen und gesellschaftlich engagiert sind.
Zusätzliche Informationen:
Aktuell hat die Caritas Regensburg noch freie Plätze für den BFD oder das FSJ zur Verfügung. Der Beginn ist entweder am 1. September oder am 1. Oktober 2021 möglich. Die Vergütung beträgt bis zu 695 Euro pro Monat. Der BFD dauert zwischen 6 und 18 Monaten, in der Regel aber 12 Monate. Bei der Caritas Regensburg ist der Freiwilligendienst in der gesamtem Diözese in Krankenhäusern, Behinderteneinrichtungen, Förderschulen und weiteren Einrichtungen möglich. Weitere Informationen und eine Liste der Einsatzstellen finden Sie auf www.caritas-regensburg.de/bundesfreiwilligendienst.