Für viele Menschen ist Crystal Meth das Ende. Verena konnte sich aber mit Unterstützung der Caritas und ihrer Mutter wieder aus dem Drogensumpfen herausziehen. Caritas Regensburg
"Verena war immer ein aufgewecktes Mädchen. Sie sprang umher und störte ständig den Unterricht", sagt ihre Mutter Erika* über die Kindheit ihrer Tochter. Es wurde ein ADHS vermutet, dem die Eltern nicht weiter nachgehen. Im Alter von 15 Jahren probierte Verena das erste Mal einen Joint, aber interessiert sich weiterhin nicht dafür. "Hier in den Dörfern an der tschechischen Grenze nehmen viele junge Leute Drogen, auch in Deggendorf und Cham laufen viele rum", so die Mutter und so hatte auch Verena viele Freunde, die regelmäßig Drogen konsumierten.
Das Schatzerl ist da
Mit 19 wird Verena schwanger. Eigentlich ein Grund sich zu freuen, doch die Probleme haben da erst wirklich begonnen. "Ihr damaliger Freund hat sie kurz nach der Geburt sitzen lassen. Dann waren mein Mann und ich für die beiden da", sagt die Großmutter. Die junge Mutter und ihr Baby ziehen wieder bei den Eltern ein. Das eigene Geld ist knapp und Verena ist mit ihrer kleinen Marie vollkommen überfordert. Um sich das Nötigste leisten zu können, geht die junge Mutter wenige Monate nach der Geburt wieder als Friseurin arbeiten. "In dieser Zeit, als die Kleine etwa ein Jahr alt war, hat es angefangen mit den Drogen", weiß die Mutter heute. Mit Aufputschmitteln hielt sich Verena wach, um da zu sein, wenn ihr Baby schreit. Nächtelang hörte Oma Erika ihre Tochter im Obergeschoss, wie sie "ihr kleines Schatzerl" versorgte.
Nach drei Monaten konnte Verena nicht mehr. Sie vertraute sich ihrer Mutter an und erzählte ihr, dass sie Drogen genommen hatte. Beide weinten. Verena versprach ihrer Mutter, keine Drogen mehr zu nehmen und sich helfen zu lassen. Das Versprechen hielt zwölf Wochen. Dann lernte Verena einen neuen Freund kennen, der sie mit der neuen Wunderdroge vertraut machte: Crystal Meth.
Crystal übernimmt das Leben
Die Droge hat viele Namen: Crystal, Speed, Pervitin oder nur kurz "C". Die kleinen Kristalle, die aussehen wie weißer Kandiszucker, haben eine fatale Wirkung. Sie lösen zuerst große Glücksgefühle aus. Abhängige werden sehr aktiv, können nächtelang ohne Schlaf auskommen und fühlen sich beinah unbesiegbar. Nach wenigen Wochen sind bereits die ersten Folgen zu sehen. Crystal Meth, das als Nervengift wirkt, tötet Nervenstränge ab und schädigt das Gehirn. Langfristig eingenommen führt Crystal Meth zu Psychosen. Schlimmstenfalls kann der Konsum der Droge zum Tod führen. Die Droge ist künstlich und kostengünstig herzustellen. Die Gewinnspannen für die Verkäufer sind enorm.
Verenas Mutter wusste von all dem damals noch nichts. "Ich hatte keine Ahnung, was sie nimmt. Seit sie mit ihrem Freund zusammen war, hatte sie sich verändert", so Erika W. Ihre Tochter lachte lauthals über Dinge, die es nicht gab und verbrachte ganze Nächte ohne Schlaf. Sieben Monate nahm Verena regelmäßig Crystal ein. Während dieser Zeit kümmerte sie sich um ihr Kind, erledigte den Haushalt und ging zweimal in der Woche in die Arbeit. "Sie dachte, dass sie mit der Droge mehr für ihre Kleine tun könne. Sie selbst ging aber daran kaputt", berichtet Oma Erika.
Ein Tag, an dem sich alles änderte
Dann kam der 2. Februar 2012. "Dieser Tag hat alles verändert. Verena kam endlich von der Droge weg", so die Mutter. Sie verließ ihren Freund, schmiss die Drogen in den Müll und war endlich bereit, sich helfen zu lassen. Am nächsten Tag vereinbarten Mutter und Tochter einen Termin bei der Caritas-Fachambulanz für Suchtprobleme Deggendorf. Verena ging in Therapie und Erika nimmt seitdem regelmäßig an Sitzungen der Angehörigengruppe teil. "Der Kreis ist für mich wie eine zweite Familie. Wenn ich früher hingegangen wäre, hätte ich bestimmt anders auf Verenas Verhalten reagiert", so Erika W. Die Mutter macht sich starke Vorwürfe, nicht angemessen auf die Drogensucht reagiert zu haben. Deshalb wünscht sie sich, dass mehr Angehörige in die Gruppen kommen. "Es gibt einem so viel, wo man doch so viel zu verlieren hat."
Seit dem entscheidenden Tag sind drei Jahre vergangen. Verena hat ihr Leben wieder in den Griff bekommen. Sie ist verheiratet und hat im Sommer ihr zweites Kind bekommen. "Ich bin froh, wie es jetzt ist. Aber ich passe jetzt besser auf meine Tochter auf, dass sie keinen Unfug mehr macht", so Erika W.
* Namen geändert