Gemeinsam helfen

Engagement fördern

Flüchtlingsarbeit in Pfarreien

Flüchtlingsarbeit ist für viele Pfarreien eine große Herausforderung. Initiativen und Vereine wie CampusAsyl oder die KJS stehen hier mit Rat und Tat zur Seite. Auf dem Bild: Eine Gruppe junger FlüchtFlüchtlingsarbeit ist für viele Pfarreien eine große Herausforderung. Initiativen und Vereine wie CampusAsyl oder die KJF stehen hier mit Rat und Tat zur Seite.CampusAsyl, KHG Regensburg

Die bei uns ankommenden Flüchtlinge haben oft einen sehr weitern und schwierigen Weg hinter sich. Sie sind oft sehr belastet oder sogar schwer traumatisiert. Das kann sich auch auf die Helfer auswirken. Für Pfarreien kann das Engagement eine Chance sein, aber auch zu einer Belastungsprobe werden. Bei der Auswahl der Methoden wurde deshalb darauf geachtet, dass solche mit einem positiven, bestärkenden, stabilisierenden Charakter im Vordergrund stehen. Mit ihren stabilen, Halt gebenden Strukturen und einer sensiblen Vorgehensweise kann eine Pfarrei das sein, was traumatisierte Flüchtlinge am meisten brauchen: ein sicherer Hafen!

Hier finden Sie Tipps und methodische Hilfen speziell für Pfarreien: Vorschläge für Aktionen, Bausteine für Gottesdienst und Predigt, Ideen für die Jugendarbeit usw..

Weitere Informationen zu Schulungen, Handreichungen, Supervision und Oasentagen für Ehrenamtliche finden Sie unter "Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit".

Pfarreien und Flüchtlinge

Was sollten Pfarreien bedenken?

Es passiert viel in der Flüchtlingshilfe, und wer sich von Anfang an mit hauptamtlichen Ansprechpartnern und anderen ehrenamtlichen Netzwerken abspricht, spart Zeit und Nerven. Bedenken Sie: die Flüchtlinge brauchen keine Einzelkämpfer, sondern Menschen, die kooperieren und kommunizieren können!

Nur selten sind die Helferkreise "reine" Pfarreikreise. Manchmal sind die Pfarreien auch nur unterstützend tätig, indem sie z.B. Kirchenräume zur Verfügung stellen. Die Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge in der Bevölkerung ist sehr groß, nur ein Teil der Engagierten steht der Kirche nahe. Nutzen Sie diese Chance für die pastorale Arbeit. Auch Menschen, die sich von der Kirche entfernt haben, sehen es mit großem Respekt, wenn die Kirche sich hier engagiert!

Die wichtigsten "Knotenpunkte" und die zentralen Ansprechpartner(innen) für Engagierte in der Flüchtlingsarbeit sind in der Diözese Regensburg.

 

Die Stimmung im Auge behalten
Wenn die Stimmung "kippt"…

Wenn in Ihrem Umfeld, in der Stadt oder im Dorf die Stimmung gegen Flüchtlinge kippt und Sie immer öfter hören "Wir können doch nicht die ganze Welt aufnehmen", "Die meisten sind nur Wirtschaftsflüchtlinge", "Der deutsche Sozialstaat ist gefährdet, usw.", dann haben Pfarreien die Chance, hier etwas zu tun. Denken Sie auch an Ihre Ehrenamtlichen: wenn die ehrenamtlich Engagierten schlechter Stimmung und Stammtischparolen ausgesetzt sind, kann das frustrieren und den besten Projekten das Wasser abgraben. Zeigen Sie insbesondere als hauptamtlich Verantwortlicher, dass sie das Engagement der Ehrenamtlichen unterstützen und ihnen den Rücken stärken.

Pfarreien sind verwurzelt in der Bevölkerung und öffentlich wirksam. Mit jeder Lesung, jeder Predigt, jedem Familiengottesdienst und jeder Veröffentlichung im Pfarrbrief nehmen Sie Einfluss auf die Stimmung in Ihrer Pfarrei. Sie haben die Chance, Stellung zu beziehen: Flüchtlingsschutz ist Menschenrecht und Christenpflicht. Migranten haben "einen besonderen Platz im Herzen der Kirche" (Papst Franziskus). Und: "Wer gegen Flüchtlinge, Fremde, Migranten und Menschen anderer Hautfarbe hetzt, der hat die Kirche gegen sich." (Bischof Norbert Trelle)

Eine ganz hervorragende und schnell lesbare Sammlung von Argumenten und Fakten gegen Unkenntnis, Vorurteile und Rassismus haben PRO ASYL und die Amadeu Antonio Stiftung veröffentlicht.

 

Der Pfarrbriefservice der deutschen Bistümer legt im September 2015 den Schwerpunkt auf "Menschen auf der Flucht". Bilder und Texte für den Pfarrbrief stehen zum download bereit.

 

Was kann unsere Pfarrei konkret tun?

Mit Musik verständlich machen – man muss nicht die selbe Sprache sprechen, um sich zu verstehen. Musik ist dafür ausreichend. Auf dem Bild: Studenten von CampusAsyl und Flüchtlingskinder machen gemeinMit Musik verständlich machen – man muss nicht die selbe Sprache sprechen, um sich zu verstehen. Musik ist dafür ausreichend.CampusAsyl, KHG Regensburg

Einsatzfelder ehrenamtlichen Engagements in der Flüchtlingshilfe gibt es viele. Kein Helferkreis kann dies alles abdecken, oft ist das Engagement nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Weil das so ist und weil das Engagement für Flüchtlinge Kraft und einen langen Atem braucht, wählen Sie aus, indem Sie sich zwei Fragen stellen:

  1. Was kann unsere Pfarrei besonders gut leisten?

  2. Wie bestärken wir "unsere" Asylbewerber in dem, was sie gut können?

 

Was kann unsere Pfarrei besonders gut leisten?

Worin sind wir als Pfarrei gut? Welche engagierten Personen, welche gut funktionierenden Netzwerke haben wir? Wenn die Kirchenmusik besonders gut klappt, bietet sich an, mit den Asylbewerbern gemeinsam Musik zu machen. Wenn der Kinderbibeltag eines der "Highlights" des Kirchenjahres ist, kann man hier ein Projekt starten. Wenn der Pfarrgarten vor sich hin vegetiert und der Obst- und Gartenbauverein mitmacht, warum nicht einen "Interkulturellen Garten" anlegen? Wenn eine Ärztin im Pfarrgemeinderat ist, kann man an medizinische Hilfe denken, pensionierte Lehrer helfen oft gerne bei Deutschunterricht… Macht eine Pfarrei das, worin sie eh schon immer gut ist, dann halten die Aktiven in der Regel länger durch und werden bei Frust nicht so leicht aus der Bahn geworfen.

 

Wie bestärken wir "unsere" Asylbewerber in dem, was sie gut können?
Mit Blick auf die AsylbewerberInnen ist die wichtigste Frage: Womit leisten wir Hilfe zur Selbsthilfe?

Flüchtlinge haben oft Schlimmes erlebt, sind aber trotzdem kompetente Menschen, die vor ihrer Flucht ein selbständiges Leben hatten und auf ihrer Flucht einiges leisten mussten, um zu überleben. Auch bei traumatisierenden Erlebnissen raten Experten zu jeder Art von Aktivität, die Betroffenen den Glauben an sich selbst und an ihre Kraft zurückgeben. Deshalb der wichtigste Rat: Fragen Sie Asylbewerber, was sie gut können, welche Berufe und Kompetenzen sie mitbringenund unterstützen Sie sie, das zu tun und zu zeigen! Kann ein Asylbewerber gut kochen? Dann organisieren Sie einen "syrischen Kochkurs" oder ein "Internationales Abendessen". Können sie ein Handwerk aus ihrer Heimat ausüben, zeigen oder weitergeben? Musik machen? Haben Sie Kompetenzen, z.B. eine medizinische Ausbildung, mit der sie die anderen Asylbewerber unterstützen können? Suchen Sie nach den vorhandenen Stärken und knüpfen Sie daran an!

Und: Machen Sie gemeinsam Sport, Sport ist Integrations- und Kraftquelle Nummer Eins!

 

Wer sich inspirieren lassen möchte von einer Vielzahl möglicher Projekte:

Die Seite http://wie-kann-ich-helfen.info/ ist die wahrscheinlich größte Sammlung von Hilfsprojekten und -initiativen für Flüchtlinge.

Eine schöne und schier endlose Sammlung insbesondere kirchlicher Projekte bietet die Seite der Interkulturellen Woche unter "good practice" – vom "Knüpfen einer Rettungsleine für Flüchtline" über Spielplatzarbeit bis hin zu einem "Mahl der Religionen".

Wohnraum

Papst Franziskus appelliert an alle Pfarreien, zu prüfen, ob Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt werden kann. Wenn Sie Wohnraum haben, helfen Ihnen das zuständige Landratsamt (als verantwortliche Stelle für die Unterbringung der Geflüchteten), die zuständige Caritas-Kreisgeschäftsstelle (wo man viele Geflüchtete persönlich kennt) und die Bischöfliche Finanzkammer (finanzkammer@bistum-regensburg.de) weiter.

Bausteine für Liturgie und Predigt

Wir alle sitzen in einem Boot – die Erde. Mit Gottesdiensten und Andachten können Kirchengemeinden auf das Leid der Flüchtlinge weltweit aufmerksam machen.Wir alle sitzen in einem Boot – die Erde. Mit Gottesdiensten und Andachten können Kirchengemeinden auf das Leid der Flüchtlinge weltweit aufmerksam machen.Amnesty international Regensburg

Wenn Sie in Liturgie und Gottesdienst des weltweiten Flüchtlingsdramas gedenken möchten, dann bieten sich folgende Termine an: Der Tag des Flüchtlings während der Interkulturellen Woche in Deutschland (2. Oktober 2015) oder der Internationale Flüchtlingstag, der jedes Jahr am 20. Juni begangen wird. Aber auch aktuelle Anlässe, thematisch entsprechende Sonntagslesungen oder der Jahreskreis können den Anstoß geben. Nicht nur die Passionszeit, auch die Weihnachtszeit bieten die Möglichkeit. Die Weihnachtsgeschichte ist (auch) eine Geschichte von Flucht und Heimatlosigkeit, und in die Heimatlosigkeit wird der Sohn Gottes geboren. Pater Dr. Anselm Grün hat es in einem Interview so formuliert: "Die Krippe stünde heute sicher bei den Flüchtlingen dieser Welt".

Folgende Möglichkeiten der Gestaltung sind denkbar:

  • Es können Nachrichten zum Flüchtlingsdrama verlesen und dazwischen Psalmworte gesungen oder gesprochen werden
  • Sie können Fürbitten sprechen und dazu Kerzen anzünden
  • Zum Gedenken an die Opfer im Mittelmeer können Schlauchboote auf den Kirchplatz gestellt werden. Oder Sie bauen Zelte auf, als Symbol für Heimatlosigkeit, aber auch Zuflucht.
  • Sie können im Familiengottesdienst Schiffsplanken gestalten und aus diesen dann ein Boot legen oder bauen. Mehr zu dieser Idee finden Sie unter www.lebenretten.sternsinger.org/
  • Die Asylbewerber, die in Ihrer Pfarrei leben, können sich im Gottesdienst vorstellen und erzählen, woher sie kommen. Seien Sie dabei vorsichtig, das Erzählen schlimmer Geschichten kann "entgleisen" und auch die Geflüchteten belasten. Legen Sie lieber den Fokus auf Positives: "Mein Name ist …, ich komme aus …, und ich träume von…" oder "Ich kann besonders gut…". Eine große pastorale und menschliche Chance bietet sich, wenn die Geflüchteten Musik machen, ein Gedicht aus ihrer Heimat vortragen oder etwas aus Ihrer Kultur zeigen können.
  • Sie können ein Fürbittgebet für die Helfer und Helferinnen sprechen. Einen Textvorschlag dazu sowie weitere sehr sensible Gebettexte zum Thema Flucht finden Sie bei der Ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche.

Gebete und liturgische Impulse:

Mit Geflüchteten beten - Vorlage für ein zweisprachiges Taizé-Gebet (deutsch und arabisch)

 

Spiritueller Impuls für eine Jugendliturgie:

Inhaltliche Impulse und Elemente für Predigten:

23.000 Glockenschläge:

  • Zum Gedenken an die 23.000 Flüchtlinge, die seit dem Jahr 2000 ihr Leben auf der Flucht verloren haben, hat das Erzbistum Köln mit 23.000 Glockenschlägen an menschliche Schicksale erinnert. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Impulse für Frauengruppen:

Ideen für Kinder und Jugendarbeit

Ein Überblick über Filme zum Thema Flucht und Asyl, die Sie im Religionsunterricht, in der Jugendarbeit und auch mit Erwachsenengruppen einsetzen können. Ganz besonders empfehlenswert: "Marhaba - Ankommen in Deutschland": unterhaltsam und klug recherchiert stellen Fünf-Minuten-Clips auf Arabisch (mit deutschen Untertiteln) den deutschen Alltag vor. Ein kurzes Interkulturelles Training für die Asylsuchenden, aber auch sehr erhellend für deutsche Helferinnen und Helfer. 

Das Kindermissionswerk Sternsinger ruft Sternsinger, Jugendgruppen, Schulklassen usw. dazu auf, Holzplanken gemeinsam zu gestalten: bemalen oder beschriften, mit einer Forderung, einem Wunsch oder einem Gebet. Die Aktion kann auch gut in einen Familien- oder Jugendgottesdienst eingebunden werden. Danach werden die Planken an das Kindermissionswerk geschickt. Sie werden gesammelt, und zum Weltflüchtlingstag 2016 entsteht daraus ein großes Boot, das dann in einer großen Aktion vor dem Europaparlament in Brüssel aufgebaut wird.

Alle Informationen zu der Aktion unter: www.lebenretten.sternsinger.org/

Eine Idee für einen Familiengottesdienst: Bitten Sie die Kinder, ein Spielzeug oder ein Kuscheltier mit in die Kirche zu bringen. Die Sachen werden dann eingesammelt und anschließend in eine Flüchtlingsunterkunft gebracht. Ein ähnliches Projekt hat youngcaritas Duisburg gestartet: dort werden alte Schulranzen gesammelt und dann weiterverteilt.

"Was machen Asylsuchende, Landjugendliche und DU in einem Gruppenraum?"
Die Antwort lautet "Gemeinsame Aktionen", und die Frage ist einer Postkartenaktion der Katholischen Landjugend (KLJB) zum Thema Flucht und Asyl entnommen. Es gibt einen Leitfaden zum Thema, er ist eine tolle Arbeitshilfe für Jugendgruppen, die sich für und mit Geflüchteten engagieren wollen.

 

Weitere Aktionsideen:

Kirchenasyl

Wenn Sie Informationen zum Thema Kirchenasyl benötigen, ist eine kompetente Ansprechpartnerin:
Bettina Nickel
Rechtsanwältin und stellvertretende Leiterin im Katholischen Büro Bayern
info-kbb@kb-bayern.de


Das Ökumenische Netzwerk Asyl in der Kirche stellt auf seiner Plattform www.kirchenasyl.de eine Vielzahl von Informationen zum Kirchenasyl zur Verfügung. Unter anderem stehen Broschüren zum download bereit, die einen knappen Überblick und damit eine gute Diskussionsgrundlage bieten, wenn Sie z.B. im Pfarrgemeinderat das Thema besprechen möchten.

Wanderausstellung „Gott liebt die Fremden“

Bei der KEB im Bistum gibt es eine schöne Wanderausstellung mit dem Titel "Gott liebt die Fremden. Biblische Herausforderungen", die Sie für Ihre Pfarrei ausleihen können. Weitere Informationen finden Sie unter www.keb-regensburg.de.