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Stand: 22.05.2018

Buchvorstellung

Bibel und Bilanzen

„Im Mittelpunkt steht der Mensch“

Dr. Roland Batz Buchvorstellung Domkapitular Dr. Roland Batz, Vorsitzender des Vorstandes des Diözesan-Caritasverbandes und der Katholischen Jugendfürsorge.Caritas Regensburg

Wie verträgt sich Menschlichkeit mit Wirtschaftlichkeit? Diese Frage stellt Dr. Roland Batz, Domkapitular und Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbandes und der Katholischen Jugendfürsorge in der Diözese Regensburg, bei der Lesung seines neuen Buches "Bibel, Barmherzigkeit und Bilanzen". Er findet eine klare Antwort: "Im Mittelpunkt eines caritativen Wirtschaftens steht immer der Mensch." Die Buchvorstellung fand kürzlich im Caritas-Krankenhaus St. Josef statt.

Der Diözesan-Caritasdirektor Michael Weißmann sprach das Grußwort. "Es geht darum, in dem von der Gesellschaft und ihren technischen Entwicklungen vorgegebenem Rahmen aktiv sein zu können. Aber das nicht bodenlos, sondern auf der Grundlage von klaren Werten", sagte Weißmann. "Beraten, helfen, engagieren: Das geht für uns nur auf der Grundlage von, ‚Bibel, Barmherzigkeit und Bilanzen’."

Bei der Buchvorstellung durch den Diözesan-Caritasvorsitzenden Dr. Roland Batz wird klar: Selbstverständlich sind caritative Träger und Einrichtungen Wirtschaftsunternehmen. Es gilt das Prinzip der Wirtschaftlichkeit und der sparsame Einsatz der Mittel. Die christliche Wirtschaftsethik stellt jedoch den Menschen in den Mittelpunkt allen Handelns. Ein ausgeglichenes Betriebsergebnis ist keine hinreichende Begründung für wirtschaftliches Handeln im kirchlichen Kontext, das macht Domkapitular Dr. Roland Batz in "Bibel, Barmherzigkeit und Bilanzen" deutlich. Für kirchlich-caritative Unternehmen seien vielmehr verbindliche ethische Kriterien maßgeblich, um einer wertorientierten Unternehmensführung gerecht zu werden. Die Achtung der Menschenwürde, die Pflege von Barmherzigkeit, sinnerschließende haupt- und ehrenamtliche Arbeit sowie ethisches Wirtschaften im Sinne des Gemeinwohls benennt der Autor als maßgebliche Prüfsteine, an denen caritative Unternehmen zu messen sind.

Dr. Roland Batz BuchDr. Roland Batz beim Signieren seines Buches im Caritas-Krankenhaus St. Josef. Caritas Regensburg

Als Auslöser für sein Buchprojekt gibt Domkapitular Dr. Roland Batz das in der Praxis erlebte Spannungsverhältnis an, in dem kirchliche Unternehmen als Akteure eines Marktgeschehens auftreten. Dort haben die professionellen sozialen Leistungen ihren Preis. Wie kann die Kirche in diesem Marktgeschehen ihrem Selbstverständnis gerecht werden? Wie können kirchliche Unternehmen glaubwürdig aufzeigen, dass sie als Ausdruck des Gebots der Nächstenliebe Wesens- und Lebensäußerung der Kirche sind? "Verantwortliche der Caritas hören oft den Hinweis, Caritas solle sich auf ihre Kernkompetenzen beziehen", führt der Autor an. Diese Kritik beziehe sich jedoch auf die Tatsache, dass mit caritativem Handeln Geld verdient wird. "Kritisiert werden wir vornehmlich in den Bereichen, in denen wir Mitbewerber haben", sagt Dr. Roland Batz, "im Bereich der Obdachlosenhilfe oder der Begleitung Schwerstbehinderter hören wir keine Klagen, wohl aber in der stationären Altenhilfe oder im Krankenhausbereich."

In der Wettbewerbssituation tritt das Spannungsverhältnis von Nächstenliebe und Markt offen zutage. Doch wie kann es aufgelöst werden? "Es muss durch die Entscheidungen der entsprechenden Organe wie Vorstand, Verwaltungs- oder Caritasrat in eine Balance gebracht werden", erklärt der Autor. "Ich meine, das gelingt uns auch immer wieder, weil wir grundsätzlich die Menschen in den Blick nehmen. Wenn wir Gewinne erzielen, werden diese in die Weiterentwicklung der Leistungsangebote reinvestiert und kommen direkt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den Menschen zugute, die in den kirchlichen Einrichtungen Rat und Hilfe suchen." Beide Verbände, deren Vorsitz der Autor innehat - der Diözesan-Caritasverband und die KJF - seien hinsichtlich ihrer Transparenz, was die Verwendung der Finanzmittel anbelangt, als auch in Bezug auf das kirchliche Selbstverständnis bestens aufgestellt. "Dafür bin ich allen Verantwortlichen und Mitarbeitern sehr dankbar", so Dr. Roland Batz.

Mit seinem Buch versucht Domkapitular Dr. Roland Batz aufzuzeigen, wie wichtig es ist, normativ-ethische Kriterien für die Glaubwürdigkeit caritativer Unternehmen zu benennen. Entscheidend dabei ist für ihn der gelebte Glaube der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in der Caritas für die Menschen ihren Dienst tun. Das bedeutet, die religiöse Dimension zu beachten und zu bejahen. Der kirchliche Auftrag muss sichtbar und erfahrbar zu Tage treten. Vor welch’ große Herausforderungen dies die caritativen Unternehmen stellt, zeigt der Autor deutlich auf. Er stellt kritische Fragen und stellt seine Forderungen wie Ausblicke in den Kontext aktueller Entwicklungen im Gesundheits- und Sozialbereich.

Das zentrale Thema der Barmherzigkeit begegnet dem Leser in einer theologisch-historischen Annäherung, in der Deutung des Gleichnisses vom Barmherzigen Samariter und als institutionalisierte Barmherzigkeit wie sie in der verbandlichen Caritas gelebt wird. "Um dem Menschen in seiner Ganzheitlichkeit gerecht zu werden, gehört es zum Selbstverständnis caritativer Unternehmen neben der fachlichen Kompetenz auch den barmherzigen Blick auf den Menschen zu bewahren" - ist eine der Kernaussagen im Kapitel "Barmherzigkeit pflegen".

Zusatzinfo 1: Das Buch 

Roland Batz: "Bibel, Barmherzigkeit und Bilanzen. Kirchliche Sozialunternehmen im Spannungsfeld von Nächstenliebe und Markt." Kallmünz 2018. Oberpfalzverlag Laßleben. ISBN 978 3 7847 1243 7. 105 Seiten. 9,80 Euro. Das lesenswerte Buch kann bei der Katholischen Jugendfürsorge im Bistum Regensburg (direktion@kjf-regensburg.deTel. 0941/79 88 71 71) bestellt werden.

Zusatzinfo 2: Der Autor

Domkapitular Dr. Roland Batz

  • 1963 geboren in Kelheim
  • 1978-1981 Ausbildung zum Werkzeugmacher
  • 1982-1985 Berufsaufbauschule, Berufsoberschule
  • 1985-1993 Studium der Religionspädagogik in Eichstätt; Studium der Theologie in Wien, Regensburg Mainz
  • 1994 Priesterweihe
  • 1995/96 Kaplan
  • 1996-2011 Sozialpfarrer
  • 2012-2016 Diözesan-Caritasdirektor
  • seit 2013 Domkapitular
  • seit Dezember 2016 Vorsitzender des Vorstandes des Diözesan-Caritasverbandes und der Katholischen Jugendfürsorge